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Retroperitoneum, zelluläre Läsionen

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Inhaltsverzeichnis:



Entzündungen

Entzündungen des Retroperitoneums beruhen meistens auf Infektionen, welche von den in das Retroperitoneum hineinragenden (Kolon) oder im Retroperitoneum befindlichen Organen (Niere) ausgehen. Aus anfangs diffusen Entzündungen entstehen in kurzer Zeit Abszesse.

Klinik:
Retroperitoneale Infektionen sind vorwiegend nahe der Niere (perinephritische Abszesse), lateral (Kolon), kranial (Pankreas, Duodenum) und von hier aus in die Umgebung eindringend, lokalisiert. Sie können sich entlang dem M. psoas bis ins Skrotum bzw. die Labien (Schamlippen) vorwühlen.

Symptome:
- schwere allgemeine Krankheitssymptome, Fieber, Leukozytose, dorsales Ödem der Haut und Weichteile, dorsaler Palpationsschmerz, paralytischer Ileus
Die Symptome treten schleichend und uncharakteristisch auf, solange die Bauchhöhle nicht betroffen ist.

Diagnose:
Anamnese (z. B. Pyelonephritis), klinischer Befund, Computertomographie, Probepunktion, Diagnose der primären Erkrankung oder Verletzung, z. B. endoskopischer Nachweis der Duodenumruptur

Therapie:
- Laparotomie und 4-Quadranten-Drainage, dorsale Punktion und Drainage (abgegrenzte Abszesse), Spüldrainagen, geplante second-look-Operationen mit Spülung und Entfernung von Nekrosen, Darmausschaltungen (z. B. Kolostomie)
Nach Abheilung der akuten Infektion Sanierung der Ursache (z. B. Pankreasteilresektion, Kolonteilresektion). Die primäre Versorgung der Perforationsöffnung gelingt bei frühzeitiger Diagnose nach Duodenum- und Kolonverletzungen. Tumoren der Bauchorgane und des Retroperitoneums können das Retroperitoneum durchwandern und dann in der Nachbarregion sekundär zu Tumorkomplikationen führen.

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Die Leitungsbahnen für die Bauchorgane und das Retroperitoneum selbst verlaufen durch das retroperitoneale Bindegewebe. Hier entstehen selten aus unbekannten Gründen fibröse Veränderungen, die retroperitoneale Fibromatose (Ormond’sche Erkrankung). Die Narben engen Blutgefäße, Nerven, Harnleiter ein und führen zu lebensbedrohlichen Versorgungsstörungen. Die Therapie besteht in der sorgfältigen Entfernung des Bindegewebes und der Narben.

Verletzungen

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Verletzungen des Retroperitoneums, das sind vor allem Verletzungen der Gefäße, der Ureteren, der Niere, des Duodenums oder Kolons. Die Besonerheit retroperitonealer Verletzungsfolgen ist die langsame Entwicklungszeit der uncharakteristischen Symptome und daraus folgend die höhere Letalität der chirurgischen Versorgung, die meistens relativ spät erfolgt. Im Bild das Beispiel einer retroperitonealen Verletzung des Zwölffingerdarmes, erst nach 8 Stunden erfolgte die Laparotomie. Dabei wurde die Verletzung nicht erkannt. Nach 20 Stunden war die Diagnose gesichert. Zu spät, die tödliche septische Komplikation zu verhindern. Bei Rumpftraumen jeder Art muss der Untersucher die Möglichkeit retroperitonealer Verletzungen in Erwägung ziehen, gezielt danach suchen und ggf. frühzeitig, noch vor Auftreten von Symptomen die therapeutischen Konsequenzen ziehen. Eine weitere Besonderheit liegt in der häufigen Kombination mit Verletzungen von Weichteilen und Knochen des Beckens und der Wirbelsäule und dem damit verbundenen großen Blutverlust. Schließlich ist der hohe Schwierigkeitsgrad vor allem der chirurgischen Blutstillung charakteristisch. Vielfach wird man der Situation nur Herr durch Tamponade mit Bauchtüchern, die nach 24-48 Stunden wieder entfernt werden.