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Parenterale Ernährung - Ernährung unter Ausschaltung des Darmes

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Inhaltsverzeichnis:



    Die parenterale Ernährung erfolgt mit Infusionslösungen in die Körpervenen, meistens zentrale Venenkatheter (in der oberen Hohlvene).
    Für Kohlenhydrate gelten heute die Richtlinien des Bundesgesundheitsamtes (Nr. 13/1991). Danach wird der Glukose als physiologischem Energiesubstrat aller Zellen - für das Zentralnervensystem und die Erythrozyten ist sie essentiell - der Vorzug gegenüber Zuckeraustauschstoffen (Fructose, Sorbit und Xylit) gegeben. Letztere werden in der Leber zu Glukose verstoffwechselt, wodurch die infusionsbedingten Blutzuckerspitzen abgeflacht werden.
    Fructose und Sorbit sollen nur noch in der Intensivmedizin unter intensiver Stoffwechselkontrolle und nicht als Zusatz zu Elektrolytlösungen angewandt werden. Ein vorheriger Fructose-Toleranztest ist obligatorisch. Die Kombination von Glukose und Xylit im Verhältnis 2 : 1 ist, auch als Zusatz zu Elektrolytlösungen, unbedenklich.
    Die maximale Dosis für Kohlenhydrate unter normalen Stoffwechselbedingungen beträgt pro Tag 350-400 g entsprechend 5-6 g/kg KG. Unter eingeschränkten Stoffwechselbedingungen (Hypoxie, Organschäden, posttraumatische Katabolie) sollte eine maximale Dosis von 2-4 g/kgKG nicht überschritten werden.
    In der Praxis bedeutet dies für Komplettlösungen im 2-l-Konzept über zentralvenöse Katheter:

    2 l: bis 20 % Kohlenhydrate
    3 bis 5 % Aminosäuren
    Elektrolyte

    Aminosäuren sind essentielle Bestandteile der parenteralen Ernährung. Heute verwendet man nur noch L-Aminosäurelösungen unterschiedlicher Zusammensetzung und Konzentrationen. Nur wenn sämtliche essentiellen Aminosäuren enthalten sind, ist die Proteinsynthese möglich.
    Der minimale Proteinbedarf pro Tag des Stoffwechselgesunden beträgt 0,6 g kg KG,
    der maximale 1,0 bis 1,5 g/kg KG.
    Für Patienten mit eingeschränkten Stoffwechselfunktionen (Leber-, Niereninsuffizienz, Diabetes usw.) stehen spezielle, in Dosis und Zusammensetzung auf die jeweilige Stoffwechselsituation abgestimmte Lösungen zur Verfügung. Aminosäuren werden regelmäßig mit Energieträgern (Kohlenhydrate, Fett) verabreicht, wodurch deren Utilisation verbessert wird. Pro Gramm Stickstoff werden wenigstens 400 kJ (rund 100 kcal) empfohlen.
    Fett wird in der parenteralen Ernährung als Fettemulsionen (vielfach bestehend aus Sojaöl und einer Phosphatidemulsion entsprechend den natürlichen Chylomikronen) über zentralvenöse Katheter infundiert. Fett wird vor allem als Energieangebot benötigt (9 kcal/g). Im posttraumatischen Stoffwechsel ist die Fettverwertung besonders gut. Der Bedarf an Fett des Stoffwechselgesunden liegt pro Tag bei 20 bis 30 % des Energiebedarfes, davon 1/3 essentielle Fettsäuren. Die maximale parenterale Zufuhr von Fett beträgt 2 g/kgKG. Bei Schockzuständen, Azidosen, und Fettstoffwechselstörungen ist die parenterale Fettinfusion nicht zulässig.

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    In der Praxis werden für den Stoffwechselgesunden Standard-Infusionslösungen verwendet, welche einer prozentualen Verteilung von Kohlenhydraten : Fett : Aminosäuren von rund 4 : 1 : 1 g oder ein Verhältnis von rund 70 kJ Kohlenhydrate: 17 kJ Aminosäuren : 39 kJ Fett entsprechen.
    Man beginnt die parenterale Ernährung am ersten Tag vorsichtig, z. B. mit der Hälfte des Bedarfs oder etwa 6000 kJ und steigert diese Dosis unter Stoffwechselkontrollen (pH, Blutgase, Elektrolyte, Osmolalität, Harnproduktion, Blutzucker, Stickstoff, Leberenzyme, u. a.) bis zu der normalen Tagesdosis von rund 12000 kJ (ca. 3000 kcal) entsprechend 55 %kJ für Kohlenhydrate, 31 %kJ für Fett und 14 %kJ für Aminosäuren.
    Den Lösungen werden grundsätzlich Elektrolyte, Vitamine und Spurenstoffe als Fertigampullen im Handel, entsprechend dem Bedarf zugesetzt. Korrekturen des Standardprogrammes erfolgen entsprechend den aus Laboratoriumsanalysen erfassten Stoffwechselparametern und Organfunktionen.

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    Die Dose wird unter die Muskulatur der vorderen Brustwand eingebracht und bei Bedarf punktiert, der Katheter liegt vor dem rechten Herzvorhof.
    Bei zahlreichen Patienten muss die parenterale Ernährung über Wochen und Monate durchgeführt werden. Dann entstehen vielfach Probleme mit dem Zugang. Deshalb wird bei diesen Kranken noch vor der Zerstörung sämtlicher peripherer Venen ein Portsystem implantiert, welches diese Schwierigkeiten vermeidet. Der Patient oder seine Angehörigen, natürlich auch der Hausarzt, können den Umgang mit dem System erlernen.