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Hypothalamus-Hypophysenhinterlappen-System

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Strukturen und Funktionen

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Im Hypothalamus befinden sich zwei Kerne, der Nucleus supraoptikus und der Nucleus paraventricularis, deren Axone durch den Hypophysenstiel ziehen und den Hypophysenhinterlappen bilden. In den Zellen dieser Kerne werden die Vorstufen der Hormone Oxytocin und das antidiuretische Hormon (ADH) produziert, durch axonalen Transport in den Hypophysenhinterlappen gebracht. Hier entstehen die definitiven Hormone und werden in den Endkolben der Axone gespeichert. Zielorgan des ADH ist die Niere.
Hyperosmose der Körperflüssigkeiten regt die ADH-Produktion an. Im Durstversuch kann dies getestet werden.
ADH macht das Epithel der Sammelrohre der Niere für Wasser permeabel, wodurch der Harn konzentriert wird.
Auslöser einer gesteigerten ADH-Produktion ist daneben ein Absinken des Blutdruckes. Die vermehrte Wasserrückresorption führt dann zu einer Volumenvermehrung. Gleichzeitig führt ADH eine Vasokonstriktion mit Blutdruckanstieg herbei. Dies wirkt sich im Pfortaderkreislauf drucksenkend aus.
In dem Regelkreis dienen Baro-, Osmo- und Volumenrezeptoren des Hypothalamus und Gefäßsystems als Fühler. Die Osmorezeptoren liegen im Hypothalamus selbst, die Barorezeptoren im Carotissinus und der Aorta, die Volumenrezeptoren in den Herzvorhöfen.

Pathologie

ADH-Mangel führt zum Diabetes insipidus. Die Ursache kann hereditär, angeboren sein, erworben durch Atrophie der neurosekretorischen Neurone, nach Operationen an der Hypophyse und am Hypothalamus und nach Traumen. Darüber hinaus können Metastasen vor allem von Bronchial- und Mammakarzinomen Ursache des zentralen Diabetes insipidus sein.
Die Resistenz der Niere gegenüber ADH, angeboren oder durch Nierenkrankheiten erworben, führt zum renalen Diabetes insipidus.
Das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), ein Hormonproduktionsüberschuss bei niedriger Plasmaosmolalität führt zur Verdünnungshyponaträmie und Volumenexpansion. Ursachen können maligne Tumoren, Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Zentralnervensystems und verschiedene Pharmaka sein.
Die Therapie erfolgt durch das Arginin-Vasopressin-Derivat, Desmopressin beim Diabetes insipidus und beim SIADH durch medikamentöse Hemmung der ADH-Synthese oder Entkoppelung der ADH-Wirkung am distalen Tubulus der Niere. Ergänzend erfolgt die Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr und Kochsalzsubstitution.

Gebräuchliche Hormone für die konservative Therapie

Hinterlappen
Anwendung
ACTH = Corticotrophin Funktionsdiagnostik der Nebennierenrinde bei lang dauernder, hochdosierter Therapie mit Glukocorticoiden, akute Schübe der multiplen Sklerose, bei funktionstüchtiger Nebennierenrinde, alle Indikationen der Glukocorticoidtherapie, außer lebensbedrohlicher Notfall
Gonadotropine
Choriongonadotropin
Bei Männern und Knaben:
Kryptorchismus, Pubertas tarda, Hypogonadismus
Bei Frauen:
primäre und sekundäre Amenorrhoe, Substitution in der Lutealphase nach Auslösung der Ovulation durch pulsatile LH-RH-Therapie
GnRH (gonadotropin releasing hormone) Differentialdiagnose von Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse
Somatropin (= STH) hypophysärer Minderwuchs durch fehlende oder unzureichende Wachstumshormonausschüttung, Therapie des Minderwuchses vor Epiphysenfugenschluss (z. B. beim durch Chromosomenanalyse bestätigten Turner-Syndrom)