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| IMC Wiki | Autonomes (vegetatives) Nervensystem, Strukturen und Funktionen

Autonomes (vegetatives) Nervensystem, Strukturen und Funktionen

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Das vegetative oder autonome Nervensystem besteht aus Strukturen der Hirnrinde, des limbischen Systems und dem Hirnstamm: Zentrales vegetatives Nervensystem. Von hier aus verlaufen zentrifugale Nervenbahnen in die Körperperipherie und dorthin ziehen die zentripetalen Nervenbahnen aus der Peripherie. Beide enthalten motorische und sensorische Leitungsbahnen: Peripheres vegetatives Nervensystem.
Das System ist zweigeteilt in sympathische und parasympathische Funktionen. Beide entziehen sich, im Gegensatz zum somatischen Nervensystem, weitgehend der willkürlichen Kontrolle. Die neuronalen Ursprünge beider Systeme sind im Zentralnervensystem nicht, in der Peripherie jedoch eindeutig voneinander zu trennen. Man darf davon ausgehen, dass jede Körperzelle wenigstens mittelbar unter dem Einfluss vegetativer Impulse steht. Daraus ist die außerordentliche Bedeutung des Systems zu erkennen.

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Die Erfolgsorgane des sympathischen Nervensystems sind alle glatten Muskelzellen aller Organe, Gefäße, Eingeweide, Ausscheidungsorgane, Lunge, Haare, Pupillen. Weiterhin der Herzmuskel, exokrine Drüsen (Speichel, Verdauung, Schweiß), Fett- und Leberzellen, alle lymphatischen Organe, Nierentubuli.
Die Erfolgsorgane des Parasympathikus sind die glatte Muskulatur, Drüsen des Magen-Darm-Systems (vgl. Magen, Anatomie und Physiologie), Zellen der Ausscheidungsorgane, Sexualorgane, Lunge, Herzvorhöfe, Speichel- und Tränendrüsen, innere Augenmuskeln.
Die glatte Muskulatur der Arterien der Geschlechtsorgane, vor allem des Penis, und die des Gehirnes werden parasympahtisch innerviert, die der übrigen Gefäße nicht.
Das autonome Nervensystem reguliert ganzheitlich das innere Milieu, soweit dies einer neuronalen Kontrolle zugänglich ist. Die terminalen Neuronen des vegetativen Nervensystems liegen als Ganglien außerhalb des ZNS. Die präganglionären Neuronen liegen im Hirnstamm und Rückenmark.
Nach dem Ursprung aus dem Rückenmark kann man das thorakolumbale System - Sympathikus vom kraniosakralen System - Parasympathikus unterscheiden. Von diesen unterscheidet sich das Nervensystem des Darmes durch seine Unabhängigkeit von Hirnstamm und Rückenmark.
Innerhalb von Organen, welche sympathisch und parasympathisch innerviert werden, verhalten sich die Systeme antagonistisch, um einen funktionellen Synergismus zu erzielen, das bedeutet, eine verminderte Aktivität des einen und die Aktivitätszunahme des anderen führen zum gleichen gemeinsam getragenen Resultat.

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Die Erregungsübertragung des gesamten Systems erfolgt chemisch. Überträgerstoffe sind Acetylcholin und Noradrenalin. Acetylcholin reagiert mit cholinergem Noradrenalin mit adrenergen Rezeptoren. Entsprechend der Möglichkeit, den Acetylcholineffekt mit Nicotin bzw. Muscarin zu simulieren, spricht man von nicotin- bzw. muscarinartigen Rezeptoren des Parasympathikus. Mit quarternären Ammoniumbasen kann man die nicotinartige, mit Atropin die muscarinartige Wirkung medikamentös blockieren. Am Zielorgan der parasympathischen Innervation befinden sich muscarinartige Rezeptoren, an den Zielorganen des Sympathikus adrenerge Rezeptoren.

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Noradrenalin ist die Überträgersubstanz in postganglionären Nervenendigungen des Sympathikus. Noradrenalin, Adrenalin und Isoproterenol sind Katecholamine.

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Die adrenergen Rezeptoren lassen sich durch ihre Reaktion mit Adrenalin und Noradrenalin in Alpha- und Beta-Rezeptoren unterscheiden. Alpha-Rezeptoren reagieren in erster Linie auf Noradrenalin, Beta-Rezeptoren auf Adrenalin.

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Die anatomische Zuordnung im vegetativen Nervensystem, die funktionellen Folgen der sympathischen und parasympathischen Innervation sind im Bild dargestellt.

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Pharmakologisch ist eine Alpha- und eine Beta-Blockade möglich.

Die anatomische Zuordnung der Nervenfasern erfolgt für den Sympathikus nach dem Ganglion, aus welchem sie entspringen, für den Parasympathikus nach dem Namen des Nerven, der sie vom Stamm des Nervus vagus zum Zielort mitführt (neben sensiblen oder motorischen Fasern) (vgl. Nervengewebe).
Vagus (Parasympathikus) und Sympathikus haben auf die Organe des Körpers im Interesse der Funktionssteuerung einen anregenden (↑­), hemmenden (↓) oder keinen (0) Effekt.

Sir James Black wurde 1988 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Er entwickelte Beta-Rezeptorenblocker (Beta-Blocker), erst die Substanzen Pronatatol (1962) und Propranolol (1964), welche heute in der Therapie der Angina pectoris, tachykarder Rhythmusstörungen und Hpertonie eingesetzt werden. 1975 gelang ihm die Entwicklung eines Histamin H2-Rezeptorenblockers, Cimetidin, welcher die Therapie des chronischen Ulkusleidens revolutioniert hat, weil damit die Säureproduktion im Magen unterdrückt werden kann und so Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre abheilen.

Vegetative Reflexe über das Rückenmark

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Nerven, die von der Peripherie in das Zentralnervensystem hineinziehen (afferente Nerven) sind im Rückenmark mit efferenten Nerven (vom Zentralnervensystem in die Peripherie ziehend), verschaltet: Vegetativer Reflexbogen. So entstehen bei Erkrankungen innerer Organe klinische Symptome an der Körperperipherie, welche durch efferente Impulse aus dem entsprechenden spinalen Segment kommen. Sie werden als Haedsche Zonen bezeichnet.
Entzündungen der Gallenblase z. B. werden als Schmerzen im Bereich des rechten Schulterblattes empfunden, Erkrankungen der Zwerchfelle im Bereich der Schulter der entsprechenden Seite. Bei Kindern projizieren sich Lungenentzündungen in den Bauch.

Steuerung des vegetativen Nervensystems

Hirnstamm und Hypothalamus kontrollieren die Aktivitäten des vegetativen Nervensystems. Hierzu gehört z. B. die Regulation des Wärmehaushaltes, des Kreislaufsystemes, der Herztätigkeit. Darüber hinaus werden Speicherungs- und Entleerungsreflexe gebahnt, etwa die Füllung und Entleerung der Blase und des Enddarmes und die Genitalreflexe bei Mann und Frau.
Der Hypothalamus ist das Zentrum für die Integration vegetativer, hormoneller und somatischer Funktionen mit dem Ziel der Homöostase.
Afferente und efferente Neuronen verbinden den Hypothalamus mit dem limbischen System, dem Thalamus, dem Mesencephalon. Humorale und neuronale Verbindungen bestehen mit der Adeno- und Neurohypophyse, humorale Informationen aus Blut und Liquor werden im Hypothalamus medialis verarbeitet.