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Unterkieferfrakturen, Vorgehen in speziellen anatomischen Bereichen

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Interforaminaler Bereich

Um Torsionskräfte in der Symphysenregion zwischen den Foramina mentales zu neutralisieren, sollten zwei Platten parallel übereinander fixiert werden. Die Differenz zwischen den beiden Platten sollte 4-10 mm betragen. Zuerst wird die unterste Platte fixiert und nachfolgend die subapicale (Pape et al.1999). Es ist sinnvoll, die Schrauben immer in der gleichen Reihenfolge anzubringen: erste Bohrung, erste Schraubung, dann die zweite Bohrung, zweite Schraube, alle Bohrungen und Verschraubungen zuerst an einem Fragment.

Eckzahn- und Prämolarbereich

Zwei Regionen müssen bei der Fixierung der Platte berücksichtigt werden:
  1. Der Verlauf der Eckzahnwurzel
    Die Wurzel des Eckzahnes kann nahe an der Osteosyntheselinie liegen. Die Bohrlöcher sollten neben der Eckzahnwurzel verlaufen. Gegebenenfalls erlaubt eine Platte mit Steg eine korrekte Positionierung.
  2. Der Austritt des N.mentalis
    Das Foramen mentale liegt unterhalb der Osteosynthesislinie, aus vertikaler Sicht zwischen den Wurzeln der Prämolaren. Um eine Nervschädigung zu vermeiden, ist es vorteilhaft, den konkaven Abschnitt zwischen den Schraubenlöchern der Platte in den Bereich des Foramens zu legen.
Frakturen hinter dem Foramen mentale können durch eine Platte ausreichend stabilisiert werden.
Die Überprüfung einer Instabilität durch Torsionskräfte kann bei einer Fraktur im Bereich des Foramen mentale die Platzierung einer zweiten Platte unterhalb des Nervus erfordern.

Molarenregion und Kieferwinkel

Die intraorale Platzierung eines Bohrers und Schraubenziehers kann bei zierlichen oralen Dimensionen schwierig sein.

Möglichkeiten:
  1. die Verwendung eines abgewinkelten Schraubenziehers
  2. eine transbukkale Vorgehensweise
Bei einer Kieferwinkelfraktur wird die Platte medial der Linea obliqua auf dem proximalen Fragment fixiert. Die Platte wird dafür zur Fläche gebogen, sodass die Schrauben im proximalen Anteil nahezu sagittal verlaufen. Ist eine Fixierung der Platte medial der Linea obliqua nicht möglich (z. B. bei Vorhandensein eines Weisheitszahnes), so kann die Platte auch auf der Außenseite der Linea verlaufen.

Ramus

Miniplatten können auch bei Frakturen des unteren Abschnitts des aufsteigenden Astes eingesetzt werden. Frakturen unterhalb der Incisura mandibulae erlauben eine adäquate visuelle Kontrolle als auch eine korrekte Fixierung mittels Bohrer und Schraubenzieher (Pape et al.1999).

Mehrfachfrakturen

Nach Darstellung der Frakturlinien und intermaxillärer Verschnürung werden zuerst die zahntragenden Bereiche osteosynthetisch versorgt (Champy und Lodde, 1976). Dadurch wird die Möglichkeit einer Malokklusion verringert.