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Pathologische Prinzipien maligner Tumorerkrankungen

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Definitionen

Tumor (im eigentlichen Sinne) abnorme Gewebeneubildung, gekennzeichnet durch ein autonomes Wachstum, das über das des normalen Gewebes hinausgeht und unvermindert anhält, auch wenn der auslösende Reiz sistiert; synonymer Gebrauch zu Geschwulst
Tumor (im weiteren Sinne) nichtneoplastische Schwellung eines Organs oder Gewebes
Neoplasie/Neoplasma Neubildung, synonymer Gebrauch zu Tumor im eigentlichen Sinne
Krebs (englisch: cancer) Überbegriff für alle bösartigen (malignen) Tumoren
Dysplasie Im Bezug auf Tumoren: Zelluläre und strukturelle Atypien in Folge von Differenzierungsstörungen innerhalb des Epithels; Vorstadien der Tumorentstehung
Anaplasie/Entdifferenzierung eine Umkehr der Differenzierungsrichtung eines Gewebes von einer höheren auf eine niedrigere Stufe bis zu fehlender Differenzierung
Karzinom maligne epitheliale Tumoren
Sarkom maligne mesenchymale Tumoren

Einteilung der Tumoren

1. Beurteilung der Dignität

In der klinischen Praxis hat sich als wichtigstes Einteilungsprinzip die Unterscheidung in gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumoren herauskristallisiert. Sie basiert auf der Morphologie und letztendlich auf dem klinischen Verhalten der Tumoren.

Bei der Dignitätsbeurteilung werden folgende Kriterien beachtet:
  1. Differenzierungsrad und Anaplasie
  2. Wachstumsrate
  3. lokale Invasion
  4. Metastasierung
Eigenschaften Benigne Tumoren Maligne Tumoren
Differenzierungsgrad, Anaplasie gut differenziert; gewebetypische Struktur gut, mäßig oder gering differenziert; oft atypischer Aufbau
Wachstumsrate langsam, progredient, Regression möglich, Mitosen selten unterschiedlich; zahlreiche, oft atypische Mitosen
lokale Invasion kohäsiv, expansiv, glatt begrenzt, umkapselt lokal infiltrativ, destruktiv, dissoziierend
Metastasierung keine häufig, in Abhängigkeit von Stadium und Differenzierungsgrad des Tumors

Eine Sonderform stellen die semimalignen Tumoren dar. Sie wachsen zwar lokal invasiv und destruktiv, metastasieren jedoch nicht. Beispiel: Basaliom, häufig in der Gesichtshaut.

2. Histologisch-histogenetische Tumor-Klassifikation (Typing)

Ursprungsgewebe Benigne Tumoren Maligne Tumoren
Epitheliale Tumoren
Plattenepithel Plattenepithelpapillom Plattenepithelkarzinom
Basalzellen   Basalzellkarzinom (semimaligne)
Übergangsepithel (Urothel) Übergangsepithel(Urothel)papillom Übergangsepithel(Urothel)karzinom
Drüsenepithel Adenom, Papillom, Zystadenom Adenokarzinom, papilläres Adenokarzinom, Zystadenokarzinom
Endokrine Zellen/Organe z. B. Insulinom, Phäochromozytom u.s.w. z. B. malignes Insulinom, malignes Phäochromozytom
Neuroendokrine Tumoren
Melanozyten melanozytärer Nävus malignes Melanom
Gliazellen Gliom Astrozytom, Glioblastom
Mesenchymale Tumoren
Bindegewebe und Derivate Fibrom, benignes fibröses Histiozytom Fibrosarkom, malignes fibröses Histiozytom
Fettgewebe Lipom Liposarkom
Knorpel Chondrom Chondrosarkom
Knochen Osteom Osteosarkom
Glatte Muskulatur Leiomyom Leiomyosarkom
"Skelettmuskulatur" (unreife mesenchymale Zellen) Rhabdomyom Rhabdomyosarkom
Gefäße Hämangiom, Lymphangiom (Häm-)Angiosarkom, (Lymph-)Angiosarkom
Mesothel benignes Mesotheliom malignes Mesotheliom
Sonderformen mesenchymaler Tumoren
Knochenmark   myeloische Leukämien, Ewing-Sarkom, Plasmozytom
Lymphatisches System   Hodgkin-Lymphome, Non-Hodgkin-Lymphome
Mischtumoren aus mehreren Zelltypen
  pleomorphes Adenom der Speicheldrüse maligner Speicheldrüsenmischtumor
Keimzelltumoren reifes Teratom, Dermoid Zyste malignesTeratom, Seminom, embryonales Karzinom
Embryonale Tumoren (Blastome)
    Nephroblastom (Wilms-Tumor), Neuroblastom u.s.w.

3. Stadiumeinteilung (Staging)

Zuordnung des Tumors entsprechend seiner lokalen, regionären und fernen Ausbreitung. Es wird unterschieden zwischen dem prätherapeutischen klinischen Staging, die vor der Behandlung erfolgt, und dem postoperativen/pathologischen Staging unter Einbeziehung der histopathologischen Befunde.
Das Staging ist je nach Tumorart unterschiedlich, eines der am weitesten verbreiteten Systeme ist das TNM-System (Tumor-Nodus lymphaticus-Metastase).
Allgemeine Klassifizierung maligner Tumoren nach dem TNM-System
Stadium Beschreibung
T = Primärtumor
T0 kein Anzeichen für einen primären Tumor
Tis Karzinoma in situ
T1 Tumor auf Ursprungsort beschränkt, gut beweglich
T2 Tumor hat Organgrenzen nicht überschritten, Beweglichkeit eingeschränkt
T3 Tumor hat Organgrenzen überschritten, fixiert
T4 Tumor wächst infiltrierend in umgebendes Gewebe
N = regionäre Lymphknotenmetastasen
N0 keine Lymphknotenvergrößerung
N1 Infiltration beweglicher regionärer Lymphknoten (Station 1)
N2 Infiltration beweglicher entfernterer Lymphknoten (Station 2)
N3 fixierte Lymphknotenmetastasen
NX Lymphknotenmetastasen nicht einzuordnen
M = Fernmetastasen
M0 keine Fernmetastasen
M1 Fernmetastasen vorhanden

Wird die Klassifikation vom Pathologen am Resektat vorgenommen, steht vor T, N, und M ein p = pathologisch gesichert (etwa pTNM).

Zusätzlich zur TNM-Klassifikation erlauben Suffixe eine weitere Möglichkeit der genaueren Einteilung:

L: Lymphgefäßinfiltration (LX, L0, L1)
V: Veneninvasion (VX, V0, V1(mikroskopisch), V2 (makroskopisch)
c: klinisch gesichert
y: während oder nach multimodaler Therapie
r: Tumorrezidiv nach Tumorfreiem Interwall
m: multiple Tumoren

Residualtumoren, d. h. Reste entfernter Tumoren bei nicht vollständiger Resektion werden nach der R-Klassifikation eingeteilt:
  • RX
  • R0
  • R1 (mikroskopisch)
  • R2 (makroskopisch)

4. Bestimmung des Differenzierungsgrades (Grading)

Mit dem Differenzierungsgrad wird angegeben, inwieweit die Tumorzellen morphologisch und funktionell vergleichbaren normalen Zellen entsprechen. Gut differenzierte Neoplasmen bestehen daher aus Tumorzellen, die den reifen, normalen Zellen des Ursprungsgewebes ähnlich sind. Im Allgemeinen sind benigne Tumoren gut differenziert, maligne Tumoren weisen demgegenüber ein Spektrum unterschiedlicher Differenzierungsgrade auf, die von gut differenziert bis zu undifferenziert reichen. Normalerweise werden 3-4 histologische Differenzierungsgrade unterschieden:
  • G1 gut differenziert
  • G2 mäßig differenziert
  • G3 gering differenziert
  • G4 un- bzw. entdifferenziert, anaplastisch
Maligne Tumoren wachsen rasch, invasiv und destruierend. Makroskopisch ist ihre Abgrenzung unscharf.
Histologische und zytologische Kriterien des Malignitätsgradings:
  • Verlust der strukturellen und funktionellen Ausreifung im Vergleich zum Ausgangsgewebe (Atypie/Entdifferenzierung
  • zelluläre Merkmale der Atypie
    • Zellpolymorphie
      Variabilität von Zellgröße und -form
    • Anisonukleose (-karyose)
      Auftreten unterschiedlich großer Kerne
    • Kernpolymorphie
      Unterschiede in den Kernform
    • Kernhyperchromasie
      vergröbertes und stärker anfärbbares Kernchromatin aufgrund eines erhöhten DNA-Gehaltes der Tumorzellkerne
    • erhöhte Mitoserate/atypische Mitosen
    • Nukleolenvergrößerung
    • Verschiebeung der Kern-Plasma-Relation zugunsten des Kerns
    • vermehrte zytoplasmatische Basophilie des Tumorzellzytoplasma
Merke! Umgekehrte Proportionalität zwischen Ausreifung (Differenzierungsgrad) und Wachstumsintensität (Malignitätsgrad)

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Quellen

  • Kumar V, Cotran RS, Robbins SL (1993)   Grundlagen der Allgemeinen Pathologie   Gustav Fischer Verlag Stuttgart-Jena-New York 1993
  • Kumar V, Cotran RS, Robbins SL (eds) (2003)   Robbins basic pathology 7th ed.   Saunders Philadelphia-London-Toronto-Montreal-Sydney-Tokyo 2003