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| IMC Wiki | Epulitiden

Epulitiden

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Definition und klinisches Bild

Gewebewucherungen des Zahnfleisches
(Celsus/Galen: "auf dem Zahnfleisch gelegene Krankheit"; Axhausen: "ohne Zahn keine Epulis")

Die als Epulis bezeichneten geschwulstartigen Befunde sind am ehesten:
  • irritativer, entzündlicher Natur
  • meist bindegewebiger, nur selten epithelialer Herkunft
  • keine Neoplasien
Klassifikation
Die durch Axhausen beschriebene Epulisnomenklatur ist in nicht deutschsprachigen Ländern weitgehend ungebräuchlich; deswegen werden die sogenannten Epulitiden in diesem Kapitel mit den Termini der gültigen WHO-Klassifikation bezeichnet (Wahi 1971).

Histopathologische Klassifikation nach Axhausen:
(deutschsprachige Länder)
WHO-Klassifikation
(nicht deutschsprachige Länder)
- Epulis granulomatosa - pyogenes Granulom
- Epulis fibromatosa - fibröse Hyperplasie
- Epulis gigantocellularis - peripheres Riesenzellgranulom
- Epulis fissurata - Prothesenrandfibrom
- Epulis gravidarum - pyogenes Granulom

Nota bene!
Der Terminus "Epulis" sollte nur als klinische Beschreibung einer lokalisierten Gingivawucherung verwendet werden, bei der unterschiedliche histologische Diagnosen (inklusive benigne und maligne Tumoren!) nicht ausgeschlossen sind. Nach der histopathologischen Festlegung der Diagnose der sogenannten Epulitiden sollten folgende Termini benutzt werden:
- pyogenes Granulom,
- fibröse Hyperplasie, oder
- peripheres Riesenzellgranulom

Pyogenes Granulom

Synonyme: Epulis granulomatosa, Epulis gravidarum, Granuloma teleangiectaticum, Epulis angiomatosa

Definition und klinisches Bild

  • lokale reaktive Bindegewebsproliferation auf Haut oder Schleimhaut
  • häufigste Lokalisation intraoral am Zahnfleisch, ansonsten im Vestibulum, an Zunge oder Wange
  • Frauen häufiger als Männer betroffen
  • ätiologisch Parodontitis marginalis von kausaler Bedeutung, auch Mikrotraumen diskutiert
  • oft kurze Anamnese und Rezidivneigung
Sonderform: Epulis gravidarum

Morphologie

- wenige Millimeter bis 2 cm durchmessende, breitbasige oder gestielte Geschwulst von roter Farbe
- häufig oberflächliche Ulzerationen oder weiße Beläge
- oft Blutungen bei Berührung
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Histologie

Granulationsgewebe mit unterschiedlichen Entzündungsgraden und Kollagenfaserbildung; bei prominenter Kapillarproliferation: "Granuloma teleangiectaticum"; Granulome im eigentlichen Sinne liegen nicht vor.
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Therapie

- operative Entfernung mit Resektion von Anteilen des Periostes, des Knochens und des betroffenen parodontalen Bandapparates bis in gesunde Areale
- bei Auftreten eines Rezidivs Extraktion des benachbarten Zahnes

Fibröse Hyperplasie

Synonym: Epulis fibromatosa

Definition und klinisches Bild

  • polypoide, meist breitbasige, derbe, blasse Wucherung der Gingivaschleimhaut, auch gestielte Formen möglich
  • Ätiologisch sind Parodontitis marginalis und Mikrotraumen von Bedeutung.
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Sonderformen:

1. Prothesenrandfibrom
  • Lokalisation im Prothesenrandbereich, häufig multipel
  • kulissenartig gestaffelt
  • Oberfläche gelegentlich ulzeriert
  • Ätiologie: Prothesenbeweglichkeit
  • beim Sprechen und Kauen provozierte Entzündung
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2. Reizfibrome
  • ubiqitär in der Mundhöhle, häufig auf Höhe der Interkalarlinie
  • breitbasige oder gestielte Vorwölbungen der Schleimhaut
  • in der Regel reaktive, entzündlich bedingte, lokalisierte Läsionen
  • klinisch und histologisch Ähnlichkeit zu den Fibromen (echte Neoplasien)
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Histologie

polypoid vorgewölbte Schleimhaut, subepitheliale knotige, dichte Anlagerung von Kollagenfaserbündeln mit spärlich eingelagerten kleinen Blutgefäßen, meistens ohne entzündliche Infiltrate
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Therapie

  • Exzision (histologische Untersuchung)
  • gegebenenfalls Verbesserung des Prothesenlagers

Peripheres Riesenzellgranulom

Definition und klinisches Bild

  • Lokalisation am Zahnfleischrand als dunkelrote bis bläuliche "Epulis"
  • kommt nur an der Gingiva vor
  • stellt eine nicht-neoplastische, lokalisierte, reaktive Zellproliferation mit Rezidivneigung dar
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Histologie

feingeweblich analoges Bild wie die sog. zentralen Riesenzellgranulome (Bezeichnung peripher oder zentral ist abhängig von der Lokalisation: peripher = am Zahnfleisch, zentral = intraossär); gefäßreiches Bindegewebe mit mononukleären Zellen und mehrkernigen Riesenzellen
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Therapie

- operative Entfernung mit Exzision des Periostes, Abtragung des Knochens und Anteilen des parodontalen Bandapparates am betroffenen Zahn
- bei Rezidiv Extraktion des Zahnes


Quellen

  • Axhausen, G. (1947)   Allgemeine Chirurgie in der Zahn- Mund- und Kieferheilkunde   Hanser, München
  • Horch, H. H. (o.J.)   Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie 1   Praxis der Zahnheilkunde 10,1
  • Wahi PN, Cohen B, Luthra UK, Torloni H (1971)   Histological typing of oral and oropharyngeal tumours   International histological classification of tumours 7