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Unterfüllungszemente 1 - Zinkoxidphosphatzement

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Definition

Zemente bestehen aus einem Pulver und einer Flüssigkeit, die miteinander angemischt werden. Es entsteht eine pastenartige Masse, die aufgrund einsetzender Hydratationsreaktionen erstarrt und erhärtet sowie dauerhaft fest bleibt.

Verwendungsmöglichkeiten von Zementen

  • Unterfüllungen
  • provisorische Füllungen
  • Befestigungsmaterial von Inlays, Kronen, Brücken usw.
Zu den gängigen Unterfüllungszementen zählen: der Zinkoxidphosphatzement oder kurz Phosphatzement genannt, Glasionomerzemente, Zinkoxid-Eugenol-Zemente, Ethoxybenzoesäure-ZOE-Zemente (EBA-Zemente), Carboxylatzemente und Calciumhydroxidzemente auf Salizylatesterbasis.

Zinkoxidphosphatzement (PhZ)

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Zinkoxidphosphatzement wird auch als Zinkphosphat-Zement oder nur als Phosphat-Zement bezeichnet. Er ist ein sehr häufig gebrauchtes Material und hat sich als Unterfüllungsmaterial und zum Zementieren gegossener Restaurationen bislang hervorragend bewährt.

Pulver/Flüssigkeits-Verhältnis

Flüssigkeit
Die Flüssigkeit besteht aus Orthophosphorsäure (45-64 %), der zur Verminderung der Abbindegeschwindigkeit Ca-, Mn-, Mg- und Zn-Oxide zugesetzt worden sind.

Der richtige Verdünnungsgrad der Flüssigkeit ist für die Qualität des Zementes sehr wichtig und muss deshalb unbedingt erhalten werden. Das Pulver/Flüssigkeits-Verhältnis beeinflusst nicht nur die Konsistenz, sondern auch die mechanische Festigkeit, die Löslichkeit und die Filmdicke des Zementes.

Die Flüssigkeit ist stark hygroskopisch (Wasser anziehend) und somit sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit.
Eine Wasserzunahme beschleunigt die Abbindezeit und reduziert die Verarbeitungszeit.
Ein Wasserverlust dagegen verlängert die Abbindezeit und verringert die mechanische Festigkeit.
Die Flasche muss daher nach Entnahme von Flüssigkeit sofort wieder verschlossen werden und die Flüssigkeit darf erst dann auf die Mischplatte gebracht werden, wenn für das Anmischen alles vorbereitet ist. Der Kontakt mit Luftfeuchtigkeit sollte möglichst kurz sein. Sobald sich die Flüssigkeit trübt oder ein Bodensatz zu erkennen ist, darf sie nicht mehr verwendet werden.

Pulver
Das Pulver besteht hauptsächlich aus Zinkoxid (80-90 %) und kann je nach Fabrikat noch verschiedene Zusätze (MnO, Al2O3, CaO) enthalten.

Auch die Pulverflasche muss nach Gebrauch sofort wieder verschlossen werden, denn das Pulver kann aus der Luft CO2 aufnehmen; der Zement wird dadurch porös und durchlässig für Mikroorganismen und Wasser. Zusätzlich verringert sich die mechanische Festigkeit des Zementes.

Das vom Hersteller vorgeschriebene Pulver/Flüssigkeits-Verhältnis darf auf keinen Fall unterschritten werden.
Mehr Pulver bringt nur Vorteile, zu wenig Pulver führt zu einer Verschlechterung sämtlicher Qualitäten des Zementes. Die Verwendung von Dosierhilfen ist zweckmäßig.

Produktbeispiele: Harvard Cement, Phosphatzement, Tenet

Verarbeitung von Zinkoxidphosphatzement

Vorbereitung
  • Lagerung von Spatel, Glasplatte, Zementpulver und -flüssigkeit im Kühlschrank (5-10° C), Entnahme erst kurz vor Gebrauch!
  • Verwendung eines möglichst langen und breiten Zementspatels (z. B. Aesculap DF 163 oder DF 165)
  • Verwendung einer möglichst großen, dicken, aufgerauten Glasplatte (große dicke Anmischplatten leiten die Reaktionswärme des Zementes besser ab als kleine dünne)
Vorgehen:
  • Trockenreiben der Platte vor dem Anmischen mit einem sauberen Tuch (Vorsicht: Kondensationsfeuchtigkeit)
  • Auftropfen der Flüssigkeit auf die Platte;
    Flasche sofort wieder verschließen!
  • Entnahme einer mehr als ausreichenden Menge Pulver mit dem Dosierlöffel und Lagerung in kleinen Portionen nicht zu dicht neben der Flüssigkeit;
    Pulverflasche sofort wieder verschließen!
  • Zuerst eine kleine Portion Pulver in die Flüssigkeit einmischen und ausstreichen.
  • Nach der ersten Portion ca. 15-30 Sekunden warten ("Sumpfzeit"), bevor alle anderen Pulveranteile in kleinen Portionen eingemischt werden.
    • Das Pulver nach und nach in kleinen Portionen langsam mit der Flüssigkeit vermischen.
    • Das Gemisch immer wieder breit ausstreichen, so wird die Reaktionswärme abgeleitet.
    • Nie zuviel Pulver auf einmal einmischen, da dies die Abbindung beschleunigt. In dem Fall verbleibt dem Zahnarzt zu wenig Zeit, den Zement zu applizieren.
    • Nie sollte zu schnell angemischt werden, da auch dies die Abbindung beschleunigt.
    • Stets muss das Pulver der Flüssigkeit beigemischt werden, nie umgekehrt! Flüssigkeit darf nie nachträglich einer zu dick geratenen Zementmischung zugefügt werden.
    • Nie darf die erstrebte Konsistenz durch "Anziehen lassen" einer dünnen Mischung abgewartet werden.
    • Je kühler der Zement ist, desto langsamer bindet er ab: bei Raumtemperatur beträgt die Verarbeitungszeit nur 1 Minute und 20 Sekunden, bei -4° C dagegen 4 Minuten.
    • Ist der Zement in die Kavität eingebracht, bindet er durch die Körpertemperatur rasch ab, was auch erwünscht ist, um schnell weiter arbeiten zu können.
Konsistenz zum Zementieren

Die richtige Konsistenz zum Zementieren hat der PhZ, wenn er dünnflüssig ist, aber am Zementspatel haftet und sich mit diesem ca. 1 cm von der Glasplatte senkrecht nach oben ziehen lässt, ehe der Zementfilm reißt.

Konsistenz zur Verwendung als Unterfüllung

Ist der PhZ zähplastisch, klebt er nicht mehr am Zementspatel und lässt sich ohne Probleme auf der Glasplatte zu Kugeln rollen, hat er die richtige Konsistenz als Unterfüllung. Er ist gut in die Kavität stopfbar, ohne am Zementspatel zu kleben.

Pulverreiche Mischungen

Fest angemischter PhZ bietet eine Menge Vorteile: erhöhte Bruchfestigkeit, bessere Haftung am Dentin sowie einen geringeren Anteil freie Säure und damit verbunden weniger Irritationen für die Pulpa in tiefen Kavitäten. Durch die Säure kann es beim Patienten vorübergehend zu Zahnschmerzen kommen. Bei Verwendung von pulverreichen Mischungen (wenig Flüssigkeit, möglichst viel Pulver) treten diese Reizungen nicht auf.
Die Zinkphosphatzemente reagieren nach dem Anmischen sauer, eine Neutralisation ist erst nach Stunden zu erwarten.