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Bimaxilläre Operationen

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Bei extremer Ausprägung von skelettal offenem Biss in Verbindung mit einer Dysgnathie der Angle Klasse II oder III ist die Korrektur in einem Kiefer meist nicht ausreichend. Erschwerend kommt hinzu, dass bei operativer Verlagerung nur eines Kiefers der Mundraum stark verkleinert wird und so orolabiale und linguale Fehlfunktionen in Gang gesetzt werden, die ein Rezidiv begünstigen. In unserer Klinik führen wir deshalb ab einer sagittalen Stufe über 10 mm einen bimaxillären Eingriff durch. In der Regel ist es nach sorgfältiger Analyse des einzelnen Falles notwendig, die sagittale Diskrepanz überwiegend mit dem Oberkiefer und die vertikale Diskrepanz mit dem Unterkiefer auszugleichen. Die oft beschriebene vertikale Überentwicklung des Oberkiefers konnten wir an unseren Patienten nicht feststellen, so dass eine Höherversetzung des gesamten Oberkiefers nur in seltenen Fällen notwendig wurde. Dieser Unterschied liegt wahrscheinlich in der verschiedenen kephalometrischen Interpretation der Röntgenbilder.

Ist durch die FRS-Analyse eine kraniale Ursache ausgeschlossen, führen wir alle möglichen Kombinationen der vorher beschriebenen Techniken in einer Sitzung durch. Nach sorgfältiger OP-Simulation werden im teiljustierbaren Artikulator Zwischensplints wie auch endgültige Splints angefertigt. Im Zuge der Operation wird immer erst der Oberkiefer verlagert, über eine Zwischenschiene in die richtige Position gebracht und dann gegen das Mittelgesicht mit 4 Mini-AO-Platten fixiert. Danach erfolgt die Osteotomie des Unterkiefers mit Verlagerung und entsprechender Fixation. Eigene Nachuntersuchungen von 70 bimaxillär operierten Patienten bestätigten dabei, dass mit diesem Vorgehen stabile Verhältnisse erzielt werden können. Allerdings ist Voraussetzung, dass bei der präoperativen Diagnostik kraniale Ursachen ausgeschlossen werden. Lediglich bei vier der nachuntersuchten Patienten konnte ein Teilrezidiv beobachtet werden. Bei allen vier Patienten handelte es sich um extreme Fälle von kranialer oder fazialer Anomalie. Zweimal um Craniosynostosen und zweimal um doppelseitige vielfach voroperierte Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. In diesen Fällen scheint es zum einen notwendig, den Eingriff nach kranial im Sinne einer Le Fort II- oder III-Osteotomie auszudehnen, zum anderen sollte vor dem skelettalen Eingriff eine muskuläre Rekonstruktion bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erfolgen, um stabile Ergebnisse zu erreichen. Diese Nachuntersuchung unterstreicht erneut wie wichtig es ist, präoperativ eine sorgfältige Diagnostik durchzuführen, um alle Faktoren der Malformation zu erfassen.

Indikation

  • sagittale Diskrepanz über 10 mm
  • vertikale Rotation über 6 mm
  • kleiner Zungen-Rachenraum

Verlagerungsmöglichkeiten

Kombinationen
  • Le Fort I und Obwegeser/Dal Pont
  • Le Fort I und Delaire/Joos
  • Le Fort I und Genioplastik
  • Le Fort I und Obwegeser/Dal Pont und Genioplastik
  • Le Fort I und Segment Unterkiefer
  • Zisser und Segment Unterkiefer
  • Köle und Segment Unterkiefer
  • Le Fort II und Delaire/Joos
  • Le Fort II und Obwegeser/Dal Pont
  • Le Fort II und Segment Unterkiefer
  • Le Fort III und Delaire/Joos
  • Le Fort III und Obwegeser
  • Le Fort III und Segment Unterkiefer

Planung

  • Delaire-Analyse zum Ausschluss kranialer Fehlbildungen
  • Anfertigung eines Zwischensplints

Operationsablauf

  • Schienung Oberkiefer und Unterkiefer
  • Operationsbeginn Oberkiefer
  • Fixation mit Platten über Zwischensplint
  • Wundverschluss Oberkiefer
  • Unterkiefer-Osteotomie

Postoperativ

  • Überwachung des Patienten, evtl. Observationsstation oder Intensivstation falls IMF

Mobilisation

  • IMF für 0-3 Tage starr
  • ab 3. Tag Führungsgummis Teilbelastung
  • ab 4 Wochen volle Mobilisation