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| IMC Wiki | Dysgnathien: postnatale Entwicklung

Dysgnathien: postnatale Entwicklung

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Wenn die pränatale Entwicklung ungestört verlaufen ist, betreffen postnatale Störungen lediglich die funktionelle Matrix, insbesondere die Muskulatur, meist als sogenannte "Mal habits".

Mal habits

  • Lippendyskinesien (Rakosi 1982)
  • Zungendyskinesien (Rakosi 1982)
  • orofaziale Dyskinesien (Frinkel 1982)
  • gesamte orofaziale Muskulatur (Ballard 1965)
  • veränderte Strömungsverhältnisse in Mund und Nase (Linder-Aronson 1982)
  • Septumdiviationen und Septumleisten (Jonas und Mann 1982)
  • spezielle Schädelkonfiguration (Janson 1982)
Keine Fehlbildung im Kieferbereich hat die damit befassten Ärzte - Kieferorthopäden wie Kieferchirurgen - mehr frustriert. In den vergangenen Jahren wurden viele Therapievorschläge unterbreitet und durchzuführen versucht und es wurde genauso wieder über Misserfolge berichtet. In neuerer Zeit wurde der skelettal offene Biss als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet und der Begriff "open-bite-syndrome" (Epker 1977) geprägt. Meiner Auffassung nach wird hier jedoch ein entscheidender Fehler begangen, indem ein unterschiedlichen Krankheitsbildern zugehöriges Symptom - der offene Biss - zum eigenständigen Syndrom erklärt wird.

Über die Ätiologie von Dysgnathien gibt es eine Anzahl von Theorien. Allen gemeinsam ist, dass funktionellen Störungen, sogenannten "mal habits", wie z. B. Zungendyskinesien, eine große Bedeutung beigemessen wird. Nach der allgemeinen Lehrmeinung, wie Rakosi (1982) sie vertritt, spielen genetische, epigenetische und Umweltfaktoren eine große Rolle. Dabei sind seiner Ansicht nach die genetischen Faktoren für das skelettale Wachstum und die Morphologie des Unterkiefers, die epigenetischen für die Morphologie, Lage, Größe und Konfiguration der Zunge und Lippen verantwortlich. Hauptursache stellen nach Rakosi (1982) jedoch die Dyskinesien und die damit verbundene Mundatmung dar. Die Autoren Frankel (1982) und Angel (1907) maßen orofazialen Dyskinesien, insbesondere der Fehlfunktion der Zunge, eine ursächliche Rolle in der Entstehung von Dysgnathien zu. Dieser monokausalen Erklärung tritt Ballard (1965) entgegen, der neben der Fehlfunktion der Zunge Störungen der gesamten orofazialen Muskulatur, insbesondere in der Inkompetenz der Lippen, als verursachend ansieht. Ihm war das Missverhältnis zwischen Lippenlänge und Untergesichtshöhe das wichtigste Kriterium für die Einschätzung der Schwere des skelettal offenen Bisses und gleichzeitig das charakteristische - genetisch determinierte - Merkmal dieser Dysplasie. Die protrusive Funktion der Zunge sei mehr als adaptatives kompensatorisches Geschehen zu betrachten, wodurch der vordere Abschluss des oralen Funktionsraumes erreicht wird. Diese Überlegungen führten ihn dazu, mit funktionellen Geräten Fehlfunktionen der orofazialen Muskulatur, insbesondere die Haltungsschwäche der orolabialen Zone, zu verbessern.

Linder-Aronson (1982) verweist in diesem Zusammenhang auf veränderte Strömungsverhältnisse im Bereich der Nase. Ursächlich hierfür seien Septumdeviationen, schmaler Oberkiefer und wiederholte Infekte im Mund-Rachenbereich, die dann zur Mundatmung verleiten. Die Mundatmung wiederum würde eine veränderte Kopfhaltung mit gesenkter Zungenlage bedingen und dadurch eine posteriore Entwicklung der Mandibula einleiten. Er zieht den Schluss aus seinen Untersuchungen, dass eine gestörte Funktion der Nasenatmung zu einer Einwirkung sowohl auf die Gesichtsmorphologie als auch auf den Gebisszustand ausüben. Insbesondere beim skelettal offenen Biss ist er der Meinung, dass dieser nicht nur genetisch, wie früher geglaubt, verursacht, sondern auch durch Umweltfaktoren hervorgerufen werden kann. Seiner Meinung nach müssen deshalb nicht nur die Stellung der Zähne korrigiert, sondern die Umweltfaktoren beseitigt werden. Im Gegensatz zu diesen Untersuchungen, stehen die Untersuchungen von Jonas und Mann (1982) die eine starke Beeinträchtigung der Strömung im nasalen Bereich bei Patienten mit offenem Biss nicht nachweisen konnten. Dagegen fanden sie, dass rhinoskopisch die Durchgängigkeit der Nase durch Ausbildung von Septumleisten und Septumdeviationen beeinträchtigt war. Diese Knorpeldeviationen führen sekundär zu Turbulenzen, die unter Umständen Stömungswiderstände darstellen könnten.
Allen diesen Theorien ist gemeinsam, dass sie sich ausschließlich am ausgebildeten Krankheitsbild orientieren und weder entwicklungsgeschichtliche Aspekte noch die Gesamtmorphologie des Schädels in Betracht ziehen. Diesem Aspekt kommt Janson (1982) näher, der neben der Mundatmung einer speziellen Schädelkonfiguration mit posteriorer Inklination der Mandibularebene, einem großen ANB-Winkel und einer Anzahl okklusaler und funktioneller Störungen eine wesentliche Bedeutung zumisst. Die Schädelmorphologie scheint seiner Meinung nach ein wichtiger Faktor bei der Entstehung des Krankheitsbildes zu sein.
Untermauernd für seine These sah er kontinuierliche Veränderungen der basalen Schädelteile an, die sich nach der Behandlung nachweisen ließen. Er ist jedoch der Meinung, dass die von ihm als genetisch bezeichneten Faktoren, das heißt die Morphologie der Schädelbasis, nur in sehr begrenztem Maße beeinflussbar sind.
Pränatale Störungen <-- fließende Übergänge --> Postnatale Störungen
betreffen den gesamten Schädel, da sowohl chondrale, desmale und funktionelle Matrix verändert wird   betreffen nur Oberkiefer und/oder Unterkiefer, da nur funktionelle Matrix in Form von Fehlfunktionen betroffen
--> Behandlung schwierig, da kraniofaziale Anomalie   --> einfache Behandlung - "einfache Dysgnathie"

Pränatale Störung

Binder-Syndrom/Offener Biss

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Postnatale Störung

Offener Biss

evtl. durch Zungendyskinesie
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Exakte präoperative Diagnostik erforderlich!!

Unterscheidung oft schwierig, deshalb exakte präoperative Diagnostik