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| IMC Wiki | Prophylaktische Indikationen zur Antibiose in der Zahnmedizin

Prophylaktische Indikationen zur Antibiose in der Zahnmedizin

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Eine prophylaktische Antibiose ist immer erforderlich, wenn aufgrund lokaler oder allgemeiner Veränderungen ein besonders hohes Risiko lokaler oder systemischer Infektionen besteht. Ziel der Prophylaxe ist es, die Ansiedlung potentieller Erreger im Wundbereich oder die Ausbreitung über die Blutbahn zu verhindern.

Prophylaktische Indikationen zur Antibiose:

  • präoperativ infizierte Prozesse
  • erhöhte Kontamination der Wundflächen
  • Beeinträchtigung der körpereigenen Abwehr
  • Störung der Blutgerinnung
  • akzidentelle Eröffnung der Kieferhöhle
  • erhöhtes Risiko einer Streuinfektion

Allgemeinindikationen

  • Diabetes mellitus
  • hämatologische Erkrankungen
    • Leukämien, M. Hodgkin, Agranulozytose, Thrombozytopenie, Anämien
    • Mangelsyndrome, Vit B 12/Folsäure Mangel
  • Leberinsuffizienz, fortgeschritten
  • Niereninsuffizienz, Dialyse
  • Radiatio im MKG-Gebiet
  • Chemotherapie
  • erworbenes Immunmangelsyndrom (AIDS)

Perioperative Infektionsprophylaxe

Behandlungsdauer: max. 48 Stunden

Präferenz Präparat Handelsname, z. B. Tagesdosis
1. Penicillin V Isocillin® 3-4 x 1,2 Mega E I
Propicillin Baycillin® 3-4 x 1,0 Mega
2. Clindamycin Clindasaar® 3 x 600 mg E I
Cefuroxim Elobact® 2 x 500 mg E I
Cefaclor Panoral® 3 x 500 mg E I
Erythromycin Erythrocin® 3-4 x 500-1000 mg
Roxithromycin Rulid® 1 x 300 mg
Clarithromycin Klacid® 2 x 250 mg

[AWMF Leitlinie Arbeitskreis Krankenhaushygiene 2/2004]
E I: Evidenzgrad I (klinisch randomisierte prospektive Studie)

Akzidentelle Kieferhöhlen-Eröffnung

Behandlungsdauer: 3-5 Tage

Präferenz Präparat Handelsname, z. B. Tagesdosis
1. Amoxicillin Amoxypen® 3 x 500-1000 mg
2. Cefuroxim Elobact® 2 x 500 mg
Cefaclor Panoral® 3 x 500 mg
Clindamycin Clindasaar® 3 x 600 mg
Erythromycin Erythrocin® 3-4 x 500-1000 mg
Roxithromycin Rulid® 1 x 300 mg
Clarithromycin Klacid® 2 x 250 mg

Bei Verschluss innerhalb von 24 h nicht obligat, danach immer indiziert.

Endokarditisprophylaxe

Steptococcus viridans

erhöhtes Risiko:
  • angeborene Herzfehler
  • erworbene Herzklappenfehler
  • operierte Herzfehler mit Restbefund (ohne Restbefund im ersten Jahr post OP)
  • Mitralklappenprolaps mit Insuffizienzgeräuschen
besonders hohes Risiko:
  • Herzklappenersatz mit mechanischer oder biologischer Prothese
  • Zustand nach mikrobiell verursachter Endokarditis
  • zyanotische Herzfehler
CAVE: die Letalität der bakteriellen Endokarditis liegt auch heute noch bei etwa 50%, bei künstlichen Herzklappen noch höher!

kein erhöhtes Risiko:
  • Mitralklappenprolaps ohne Insuffizienzgeräusche
  • Zustand nach koronarer Bypass-Operation
  • Zustand nach Schrittmacher- oder Defibrillatorimplantation
  • implantierte ventrikulo-peritoneale oder ventrikulo-atriale Shunts
  • Zustand nach Ductus-Botalli-Verschluss
  • operierte Herzfehler ohne Restbefund nach dem ersten postoperativen Jahr
  • isolierte Aortenisthmusstenose
Die "Schwachpunkte" in der Realisierung der Endokarditisprophylaxe sind auf verschiedenen Ebenen zu finden: Kinderkardiologe, Kinderarzt, Eltern, Patient und Zahnarzt.

  Penicillinverträglich -unverträglich
Risiko erhöht 2 g Amoxicillin p.o. 1 h vor OP
Pat. > 70 kg, dann 3 g
600 mg Cindamycin p.o. 1 h vor OP
Risiko besonders hoch wie oben, nicht mehr wie oben, nicht mehr
bei Kindern Amoxicillin 50 mg/kg Körpergewicht
max. 3 g
Clindamycin 15 mg/kg Körpergewicht
max. 3 g

[DZZ 54 (1999), Stellungnahme der DGZMK]

Eintritt-/Eingriffsort Standard erhöhtes Risiko
Oropharynx
oberer Respirationstrakt
Amoxicillin 2 g p.o.
1 h vor Eingriff
Amoxicillin 2 g p.o.
1 h vor Eingriff
Penicillinallergie Clindamycin 600 mg p.o.
1 h vor Eingriff oder
Clarithromycin 500 mg
1 h vor Eingriff
Clindamycin 600 mg p.o.
1 h vor Eingriff oder
Clarithromycin 500 mg
1 h vor Eingriff
Verdauungs- und Urogenitaltrakt Amoxicillin 2 g p.o.
1 h vor Eingriff
Ampicillin 2 g i.v. (i.m.) +
Gentamicin 1,5 mg/kg (max. 120 mg) i.v. (i.m.)
30 Min. vor Eingriff,
Amoxicillin 1 g p.o.
6 h später
Penicillinallergie Vancomycin 1 g über 1 h i.v.
Beginn 1 h vor Eingriff
Vancomycin 1 g über 1 h i.v. +
Gentamycin 1,5 mg/kg (max. 120 mg) i.v. (i.m.)
Beginn 1 Stunde vor Eingriff

[Jeserich M, Just H (2001) Aktueller Stand der Endokarditisprophylaxe. Z Kardiol 90:385-393]

Intravenöse AB Gabe heute in der Endokarditisprophylaxe nur noch bei Eingriffen im Verdauungs- und Urogenitaltrakt.

a) Bei über 70 kg schweren Pat. ist auch 3 g Amoxicillin möglich, Ampicillin 2 g i.v. (i.m.) 30 min vor e. Eingriff, falls keine orale Medikamenteneinnahme möglich.

b) Bei hospitalisierten Patienten mit erhöhtem Endokarditisrisiko und bei operativen Eingriffen in dieser Patientengruppe i.v. Prophylaxe mit Ampicillin 2 g + Gentamicin 1,5 mg/kg (max. 120 mg) i.v. 30 min vor Eingriff und Ampicillin 1 g i.v. 6 h später.

c) Alternativ auch 2 g Amoxicillin p.o. 1 h vor Eingriff und 1 g 6 h später. Bei Niereninsuffizienz entsprechende Dosisreduktion der Antibiotika.

Osteoradionekrose

prinzipiell immer nach einer Radiatio im Kopf-Hals Gebiet

Os liber nach Zahnextraktion 32-42 im bestrahlten Kiefer. Lokale Wundheilungsstörungen sind häufig, eine Prophylaxe mit einem AB ist obligat.

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Komplikationen der infizierten Osteoradionekrose: Kieferteilresektion, Weichteildefekte mit extra-intraoraler Fistelung, Notwendigkeit komplexer Rekonstruktionen (hier: Pectoralis major Lappen)
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Vor Eingriff beginnen und bis zum Abschluss der Wundheilung fortführen.

Präferenz Präparat Handelsname, z. B. Tagesdosis
1. Clindamycin Clindasaar® 3 x 600 mg
2. Penicillin V Isocillin® 3-4 x 1,2 Mega
Propicillin Baycillin® 3-4 x 1,0 Mega
Cefuroxim Elobact® 2 x 500 mg
Cefaclor Panoral® 3 x 500 mg
Erythromycin Erythrocin® 3-4 x 500-1000 mg
Roxithromycin Rulid® 1 x 300 mg
Clarithromycin Klacid® 2 x 250 mg