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| IMC Wiki | Parodontitis apikalis

Parodontitis apikalis

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Einleitung

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Bakterien über den Zahn in das periapikale Gewebe eindringen können. Sie können entweder über das Hartgewebe in die Pulpa gelangen und dann weiter in das apikale Parodont, oder sie können marginal an der Zahnaußenfläche entlang den apikalen Bereich erreichen.

Pulpitis

Eine direkte oder indirekte Schädigung der Pulpa führt zu einer Entzündung des Pulpenkavums.

Ursachen sind:
  • Karies
  • mechanische Traumen
  • Hitzetraumen
  • tiefe Kavitätenpräparation bei vorgeschädigtem, kariösem Zahn
  • Austrocknung des Pulpenkavums durch exzessives Pusten
Mikroorganismen können sich im abgestorbenen Gewebe ansiedeln und sind dann auch in der Grenzzone des umgebenden vitalen Gewebes zu finden.
Das verbliebene vitale Gewebe ist keimfrei (Massler et Pawlak 1977).

Wird eine Einwanderung von Mikroorganismen nicht unterbunden, so wird die gesamte Pulpa nekrotisch.
Eine apikale Entzündung entsteht erst, wenn die Pulpanekrose bereits in unmittelbarer Nähe zum Apex liegt.

Apikale Parodontitis

Ist die Pulpa vollständig nekrotisch, so verlagert sich das Entzündungsgeschehen in den periapikalen Bereich.
Röntgenologisch ist etwa nach 2 Wochen ein erweiterter Parodontalspalt zu sehen.
Nur bei radiologisch manifester apikaler Knochenlyse sind Mikroorganismen im Wurzelkanal nachweisbar.
Ist der Parodontalspalt auf dem Röntgenbild intakt, so ist der Kanalinhalt keimfrei, egal ob er noch Zeichen von Vitalität zeigt oder nicht (Sundqvist 1976).

Klinisch bezieht sich die Unterteilung in "akut" und "chronisch" primär auf die Dauer der Entzündung.

Parodontitis apikalis acuta

Die primär akute Form ist selten und folgt unmittelbar auf eine primär akute Pulpitis.
Erreger dringen hier über die Wurzelkanalöffnungen in das noch gesunde Parodontium ein und verursachen eine akute entzündliche Reaktion. Diese kann auch bei Ausräumung und Aufbereitung eines infizierten Wurzelkanals ausgelöst werden, wenn infektiöses Material mit Kanalinstrumenten über das Foramen apicale hinaus in die Wurzelhaut und die periapikale Region befördert wird.

Die sekundär akute Form ergibt sich aus einer chronischen Parodontitis und zeigt im Röntgenbild eine umschriebene Aufhellung im Wurzelspitzenbereich.
Auslösende Ursachen können eine Minderung der Abwehrlage des Organismus durch interkurrente Erkrankungen sowie Operations-, Extraktions- und Unfalltraumen sein. Die Entstehung einer akuten Form kann aber auch ohne erkennbare Ursachen ausgelöst werden.
  • in der Regel kurz dauernd
  • rasch verlaufend
  • mit den typischen Entzündungszeichen einhergehend
Ablauf der akuten oder exazerbierten apikalen Parodontitis:

Apikale (desmodontale) Phase
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Die Entzündung greift auf die knöcherne Umgebung der Wurzelspitzenregion über.

Symptome:
  • eine Aufbissempfindlichkeit des betroffenen Zahnes
  • gut lokalisierbare Dauerschmerzen von ziehender oder auch klopfender Qualität
  • Verschlimmerung durch Wärme- oder Kältereize
  • gesteigerte vertikale oder horizontale Klopfempfindlichkeit des verursachenden Zahnes
Therapie:
  • Trepanation des verursachenden Zahnes zum Sekretabfluss
  • Der Wurzelkanal sollte genügend weit eröffnet sein
  • Nach erfolgreicher Trepanation des Zahnes geht die akute Entzündung rasch in ein chronisches Stadium über
  • Der betroffene Zahn kann dann problemlos extrahiert oder durch eine Wurzelspitzenresektion -nach vorangegangener qualifizierter Wurzelkanalbehandlung- versorgt werden.
Enossale Phase
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Die Entzündung breitet sich über die Wurzelspitze hinaus in die umliegenden Bereiche des spongiösen Knochens aus.

Symptome:
  • Zunahme der Schmerzintensität
  • weiterhin besteht Klopfempfindlichkeit, häufig auch bei benachbarten Zähnen
  • manchmal besteht eine vestibuläre Druckempfindlichkeit im Bereich der Wurzelspitze
Therapie:
  • Trepanation des verursachenden Zahnes
  • ggf. Schrödersche Lüftung
    Die Schrödersche Lüftung beinhaltet eine Knochentrepanation, die einen sicheren Sekretabfluss gewährleistet. Nach Aufklappung der Schleimhaut wird der vestibuläre Knochen mit einem Bohrer bis zur Wurzelspitze des betroffenen Zahnes trepaniert. Die Weichteilwunde im Vestibulum wird durch Streifeneinlage offengehalten.
Subperiostale Phase
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Das entzündliche Exsudat hat den Knochen durchbrochen und sammelt sich unter dem Periost.

Symptome:
  • unerträgliche, pulssynchrone Schmerzen
  • Die Schmerzfortleitung lässt eine sichere Zuordnung des verursachenden Zahnes kaum zu.
  • Druckdolenz über dem betroffenen Knochenareal
  • Häufig ist die Vorwölbung des Periostes sichtbar oder tastbar
  • Ödembildung der umliegenden Weichteile (kollaterales Ödem)
Therapie:
  • Inzision mit Periostdurchtrennung
  • Trepanation des verursachenden Zahnes
Phase der Weichteilentleerung
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Das entzündliche Exsudat durchbricht das Periost und entleert sich in die Weichteile.

Symptome:
  • deutliche Verminderung der Schmerzen
  • je nach Lokalisation bestehen unterschiedlich ausgeprägte Entzündungssymptome
Therapie:
  • chirurgische Intervention
  • Trepanation des verursachenden Zahnes

Parodontitis apikalis chronica

  • langsamer, häufig jahrelanger Verlauf
  • geringe oder keine klinische Symptomatik
Die periapikale Entzündung geht mit einer Verbreiterung des periapikalen Raumes auf Kosten des Alveolenbodens (Lamina dura) und des Spongiosagewebes im Bereich um das Foramen apicale einher.
Das ursprüngliche Gewebe wird durch Granulationsgewebe ersetzt.

Keimspektrum der Parodontitis apikalis und marginalis

Parodontitis apikalis
  • 86% fakultativ anaerobe Keime
  • 10% strikt anaerobe Keime
  • 4% sonstige Keime
  • Streptokokken
  • Aktinomyceten
  • Bakteroides
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Parodontitis marginalis
  • 60% strikt anaerobe Keime
  • 40% fakultativ anaerobe Keime
  • Bakteroides
  • Peptostreptokokken
  • Aktinomyceten
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Quellen

  • Massler M, Pawlak J (1977)   The affected and infected pulp   Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 43:929-47
  • Sundqvist G (1976)   Bacteriological studies of necrotic dental pulps: Proefschrift Umea Univ   Odontol Diss no7 1976