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| IMC Wiki | Pathologie, Übersicht

Pathologie, Übersicht

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Pathologie (gr. = Krankheit, Leiden, Siechtum) ist die Lehre von den Krankheiten und Verletzungsfolgen.
Menschen halten Gesundheit für das größte Gut. Gesundheit ist nach Definition durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein "Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens". Die Gesundheit wird ein Leben lang von Krankheiten und Verletzungen und der natürlichen Alterung bedroht. Der Pathologe befasst sich mit diesen Bedrohungen, den pathogenetischen Faktoren. Er stellt die Grenzen des Normalen und Anfänge des Pathologischen fest, z. B. die Beurteilung des Herzens eines Hochleistungssportlers, das durch Training eine Massenzunahme erreicht hat, die beim körperlich wenig Aktiven nur als Folge einer schweren Herzkrankheit beobachtet wird (z. B. 500 g gegenüber 300 g normal).
Die Feststellung des Krankhaften bezieht sich auf die Struktur (Morphologie) und Funktion. Hierzu analysiert der Pathologe in erster Linie Zellen, Gewebe, mikroskopisch oder das genetische Material (DNA) molekularbiologisch. Makroskopische Untersuchungen haben demgegenüber an Bedeutung verloren, da dies der Kliniker mit Hilfe bildgebender Verfahren analysiert.
Der Pathologe versucht aus seinen Untersuchungsergebnissen auf Ursachen, Kategorien, und aus logischen Erwägungen heraus auf geeignete Behandlungsmaßnahmen zu schließen. Ursachen von Erkrankungen und Verletzungen bezeichnet man als Ätiologie. Krankheiten und Verletzungsfolgen sind ein Zustand veränderter Lebensfunktionen, überwiegend auf dem Boden von Strukturveränderungen.

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Es gibt drei große Kategorien von Ätiologien: angeborene, genetisch bedingte, erworbene und eine Kombination von diesen. Letztere sind in einer kontrollierten Studie bei Kindern mit identischen Anlagen (Genen) für schizophrene Psychosen beispielhaft nachgewiesen worden. Diejenigen Kinder, die in mütterlicher Obhut aufwuchsen, erkrankten signifikant seltener als die von Adoptiveltern.

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Dieses Prinzip gilt für nahezu alle ätiologischen Faktoren. Ob ätiologische Faktoren zu manifesten Erkrankungen oder Traumen zu Verletzungen führen, ist unbestimmt. Alle biologischen Organismen sind mit Einrichtungen ausgestattet, um sich gegen möglicherweise krankmachende Einflüsse zu wehren, z. B. das Immunsystem gegen Infektionen. Sind diese Abwehreinrichtungen erschöpft, entstehen Krankheit oder Verletzung, z. B. beim Überschreiten der Elastizitätsgrenze zum Knochenbruch.

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Die Pathogenese befasst sich mit diesen Entstehungsbedingungen. Die kausale Pathogenese definiert den Zusammenhang zwischen Ursachen, Krankheitsbereitschaft und Erkrankung. Die formale Pathogenese beschreibt den Struktur- und Funktionswandel im Verlauf einer Erkrankung, z. B. Lungenerkrankung – Veränderung der Strukturen – Ateminsuffizienz. Für den Erhalt der Gesundheit besitzen Organismen neben den zahlreichen Einrichtungen zur Abwehr und Anpassung Möglichkeiten nach eingetretener Krankheit oder Verletzung für eine spontane Heilung ohne Zutun von Helfern und Ärzten, z. B. die Heilung von Wunden. In solchen Situation obliegt dem Pathologen zusammen mit dem behandelnden Arzt die Verlaufskontrolle, das bedeutet die Überwachung des gesetzmäßigen Heilungsverlaufes.
So kann man zusammenfassend die Aufgaben des Pathologen in der Diagnostik (Definition), Feststellung der Ätiologie (Ursachen), Pathogenese (Ablauf), Beschreibung des morphologischen Substrates (Strukturveränderung) und Funktionswandels erkennen. Darüber hinaus äußert er sich zur Prognose (künftige Entwicklung) mit und ohne therapeutische Maßnahmen und nimmt Stellung zu Art und Umfang geeigneter therapeutischer Methoden, z. B. der Strahlensensibilität eines Tumors. Nach der ärztlichen Behandlung wird er in die Nachsorge miteinbezogen, z. B. nach der Entfernung von Tumoren. Endet eine Erkrankung oder Verletzung tödlich, ist es die Aufgabe des Pathologen, an der Feststellung der Todesursache, z. B. durch Autopsie (innere Leichenschau) mitzuwirken. Diese Informationen dienen der Weiterentwicklung der Medizin ganz entscheidend.

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Die Ätiologie liegt in einem Gesundheitsrisiko begründet. Das Risiko kann hoch sein (Bergsteiger ohne Helm), gering (der Wanderer in den Bergen) oder völlig fehlen (im Flachland gibt es keinen Steinschlag). Dem pathogenetischen Faktor (Steinschlag) stehen genetische Schutzfaktoren gegenüber. In unserem Beispiel hat der "Dickschädelige" Vorteile.
Die weitere Entwicklung der Verletzungs- (oder Krankheits-) folgen kann zur Heilung oder zu sekundären Prozessen (Schock, Organversagen) bis hin zum letalen Ausgang führen.

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Die Feststellung der Ätiologie ist die Basis für die Therapie von Erkrankungen. Oberstes Ziel, wenn auch relativ selten erreichbar, ist (auch in der Forschung) die kausale Therapie, die Beseitigung von Erkrankungen von der Wurzel. In der Traumatologie ist es die vollständige Wiederherstellung von Strukturen und Funktionen (vgl. Gesundheit und Krankheit).

Untersuchungsmethoden der Pathologie

Die klassische Methode der Pathologie war seit Endes des 13. Jahrhunderts die Leichenöffnung, die Autopsie (Obduktion). 1302 wurde in Bologna die erste rechtsmedizinische Autopsie zum Nachweis einer Vergiftung durchgeführt. Später galt dieser Methode vor allem das Interesse der Chirurgen, als Qualitätskontrolle, dann den Anatomen und Pathologen zur Forschung und Lehre.

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Früher wurde die Leichenöffnung vom Bader, damals gleichbedeutend mit dem Chirurgen, durchgeführt. (Oxford, Ende des 13. Jahrhunderts). Ein Chirurg öffnet die Leiche einer Frau. Er hält die dreilappige Leber in der Hand, während ein Mann (ihr ehemaliger Arzt?) und ein Begleiter (Mönch?) der Obduktion beiwohnen (Handschrift aus Oxford; zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts).

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Bald wurden von Anatomen systematisch die Organe des Menschen nach dem Tode untersucht. Der Chirurg führte die handwerklichen Maßnahmen durch (der berühmte Anatom Mondino dei Liucci leitet dozierend die Autopsie durch den Chirurgen – Musée Conde – Chantilly – 14. Jahrhundert – Holzschnitt). Mondino dei Liucci lehrt Anatomie; er doziert frei vom Katheder, ein Sekant (Bader oder Chirurg) setzt zum Schnitt an, daneben ein Demonstrator mit Stock.

Die Autopsie ist heute bei unnatürlicher Todesursache noch obligatorisch und wird in rechtsmedizinischen Instituten durchgeführt. Auch bei unbekannter Todesursache ist sie die Regel. Bei aus klinischem Gesichtspunkt zweifelsfreier Todesursache wird heute ziemlich häufig (über 50 %) auf die Eröffnung der Leiche verzichtet mit der Begründung, dass die heute verfügbaren Möglichkeiten, insbesondere die bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT, MR, PET) eine ausreichend sichere Diagnose erlauben. Vielfach bleiben dann allerdings klinisch stumme Zweit- oder Begleiterkrankungen, z.B. Fehlbildungen unerkannt. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass auch heute noch überraschende Befunde, die zu einer Korrektur der Todesursache führen, ans Tageslicht kommen.