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Psychische Störungen: Zusammenfassung

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Inhaltsverzeichnis:



    Sowohl die Symptomatik als auch die neurobiologischen Hintergründe sogenannter organischer psychischer Störungen werden heute zum Teil schon recht gut verstanden. Nicht-organische psychische Störungen werden hinsichtlich ihrer Entstehungsmechanismen schlechter verstanden, nicht zuletzt, da diese Mechanismen vermutlich wesentlich komplexer sind. Hierbei ist wichtig zu verstehen, daß nichtorganische psychische Erkrankungen wie z. B. viele Formen von depressiven Störungen aber auch manisch-depressive Erkrankungen, Schizophrenien sowie die sehr vielfältigen neurotischen Störungen eine multifaktorielle Genese haben: bei diesen Störungen haben neurobiologische also z. B. genetische oder auch toxisch umweltbedingte Faktoren zum Teil einen relativ starken (manisch-depressive Erkrankungen, Schizophrenie) zum Teil aber auch einen relativ schwachen (Neurosen) Einfluss. In die Entstehung der Krankheiten aber auch in den Krankheitsverlauf sind immer psychologische Momente (ungelöste seelische Konflikte, problematische Beziehungserfahrungen) eingewoben. Bei neurotischen Störungen dominieren diese Hintergründe gegenüber den biologischen bei weitem. Nicht außer Acht gelassen werden sollte der Umstand, dass auch gravierende soziale Ereignisse wie z. B. Kriege, Verfolgung, Notsituationen, aber auch aktuelle Traumata (Unfälle, Verbrechen) sowie chronische problematische Sozialsituationen (persistierende Armut und Arbeitslosigkeit) psychische Erkrankungen mitbedingen können und ungünstig beeinflussen.

    Die psychiatrische Therapie besteht entsprechend der multifaktoriellen Genese der Störungen immer in einem Zusammenwirken von Psychotherapie, biologischen Therapieverfahren und Interventionen im Sozialbereich. In Abhängigkeit von der Art der Erkrankung aber auch der Persönlichkeit des Patienten und der Krankheitsumstände ist entweder die psychotherapeutische Intervention oder die psychopharmakologische Behandlung führend. Diese Behandlungsverfahren werden unterstützt durch weitere ergänzende Verfahren wie z. B. Musiktherapie, Bewegungstherapie, krankengymnastische Behandlung, physikalische Therapie sowie Ergotherapie.

    Die moderne psychopharmakologische Therapie ist, im Gegensatz zu den Vorstellungen vieler Menschen nicht im wesentlichen dazu geeignet, Patienten zu sedieren ("ruhig stellen") sondern wirkt gezielt auf diejenigen Neurotransmittersysteme, deren Funktionen bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen gestört ist, so z. B. das Dompaminsystem bei Schizophrenien oder das Serotonin- bzw. Noradrenalinsystem bei Depressionen. Die bedeutsame Entwicklung der Psychopharmakologie der letzten 30 Jahre hat dazu geführt, dass hoch selektive, nebenwirkungsarme Medikamente entwickelt wurden, die heute sehr gezielt mit gutem Erfolg eingesetzt werden können. Hierdurch wird die Persönlichkeit des Patienten (entgegen manchen Befürchtungen) nicht verändert.

    Die wissenschaftliche aber auch zukünftige klinische Perspektive des psychiatrischen Fachgebiets liegt in der Entschlüsselung der neurobiologischen Entstehungsbedingungen psychiatrischer Erkrankungen sowie ihrer Interaktion mit psychologischen und sozialen Bedingungen. Hieraus werden sich vermutlich in den nächsten Jahrzehnten wesentliche Fortschritte in der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen ergeben.

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    Die letzte Darstellung zeigt ziemlich naturgetreu ein Netzwerk von Neuronen, materielles Substrat von Geist und Seele, sowie bekannte ätiologische Faktoren der Funktionsstörungen dieser überaus komplexen Strukturen.