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Psychische Störungen F 1: psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

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Internationale Klassifikation

F 1.0 Störungen durch Alkohol
F 1.1 Störungen durch Opiode
F 1.2-F 1.8 Störungen durch weitere psychotrope Substanzen
F 1.9 Störungen durch multiplen Drogengebrauch und Konsum anderer Substanzen

Definition:
Durch die Unterschiede der chemischen Verbindungen kann eine breite Palette von Syndromen von der leichten Intoxikation bis zur Demenz bei ganz unterschiedliche Mustern von morphologischen Veränderungen beobachtet werden.

Diagnose:
Durch chemische Analysen (Blut, Harn) und mit Hilfe der Angehörigen wird versucht, den Nachweis der Substanz zu führen. Ohne diesen chemischen pharmakologischen Hintergrund muß die Diagnose aus den körperlichen und psychischen Syndromen gestellt werden.

Verlauf:
Es beginnt vielfach mit der akuten Intoxikation, Vergiftungssymptome, Halluzinationen, zunehmende Abhängigkeit, Entzugssyndrome, mit oder ohne Delir, psychotische Störungen, amnestisches Syndrom. Der Endzustand ist fast immer der geistige, seelische und körperliche Verfall, wenn die Dosierung unkontrolliert gesteigert wird. Ausnahmen sind die Cannabinoide. Sie führen kaum zur körperlichen Abhängigkeit oder Demenz, wenn nicht andere Substanzen gleichzeitig verwendet werden. Ihre Gefahr liegt im Einstieg zu gefährlichen Drogen und dem Kontakt mit der Drogenszene.

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Psychotrope Substanzen schädigen alle Neuronen mit Prädilektionsarealen, akute Intoxikationen gehen mit Bewußtseinsstörungen und kognitiven Einschränkungen einher. Schädlicher Gebrauch führt zu meistens auch körperlichen Gesundheitsstörungen. Abhängigkeit basiert auf kognitiven und körperlichen Veränderungen. Entzug kann sich auch auf körperliche Symptome erstrecken. Häufig sind Krampfanfälle, auch mit Delir und psychotischen, wahnhaften, halluzinatorischen und paranoiden Störungen. Das amnestische Syndrom ist mit dem Verlust des Kurz- und Langzeitgedächtnisses verbunden. Restzustände betreffen Defizite der Persönlichkeit, der Affekte, der kognitiven Leistung.

F 1.0 Störungen durch Alkohol

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Betroffen sind alle Organsysteme insbesondere durch die Freisetzung von Acetaldehyd. Das Zentralnervensystem reagiert mit einer Hirnatrophie mit typischen alkoholischen Persönlichkeitsveränderungen.

Symptome
anfangs heiter-gutmütig, dann Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Stimmungslabilität, Großmauligkeit, verschwenderisch, unehrlich, sexuelle und masochistische Impulse

Alkoholschäden des Großhirnes
Die häufigsten akut bedrohlichen Situationen für den Alkoholkranken sind der Vollrausch (durch Verletzung und Aspiration) und das Entzugssyndrom mit Delir, Krämpfen, vegetativen Symptomen (Midriasis, Schwitzen, Tachykardie, Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusstörungen).

Therapie des Delirs
Intensivtherapie, medikamentös alternativ mit Clomethiazol, Clonidin (stationär), Carbamazepin;
Chronischer Alkoholgenuss über Jahre führt zur Polyneuropathie, axomalen Degeneration, Ernährungsstörungen. Im Gehirn wird die Polyneuropathie vom delirium tremens mit amnestisch-konfabulatorischem Syndrom Korsakow-Krankheit genannt.

Therapie
Kompletter Alkoholentzug über 3-6 Monate. Der Versuch einer Reduktion auf verträgliche Dosen (60-80 g/d) misslingt fast immer.

F 1.1 Störungen durch Opioide

Pathologie

Symptomatik:
Parasympathikotonus, Blutdrucksenkung, Bradykardie, Schlafstörung, Miosis, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Impotenz, Zittern, Ataxie, trockene Haut, Haarausfall, Karies, verwaschene Sprache

Therapie:
stationärer Entzug unter Kontrolle der körperlichen Funktionen, Sedierung, Neuroleptika, Antidepressiva, Clonidin, Methadon, anschließend mehrwöchige Entzugsbehandlung

F 1.2 - F 1.8 Weitere psychotrope Substanzen

Cannabis, Sedativa, Hypnotika, Kokain, Stimulantien, Koffein, Halluzinogene, Tabak, Lösungsmittel: allen gemeinsam ist die Bewusstseinsveränderung, das Rauschgefühl, die Abhängigkeit.

Therapie:
stationäre psychiatrische Entzugstherapie - Nachsorge

F 1.9 Störungen durch multiplen Drogengebrauch und Konsum anderer Substanzen

Symptome:
Das gesamte Spektrum der akuten und chronischen Selbstzerstörung, oft mit Suizidversuchen, Pausen beim Umsteigen auf andere Rezepte durch fehlende Gewöhnung. Bald neuerliche, veränderte Symptome der Intoxikation, meistens mit Halluzinationen, Aggressivität, Kriminalität (Beschaffung). Rascher körperlicher und psychischer Verfall mit Verlust aller sozialen Bindungen, des Arbeitsverhältnisses, der Frau und Kinder. Oft stellt sich eine wahre Operationswut ein, die den Chirurgen wegen geschickt vorgespielter Symptome zu immer neuen Eingriffen und natürlich der damit verbundenen großzügigen Verordnung von Drogen veranlasst.

Therapie:
Bei diesen Patienten versagen in der Regel langfristig alle Versuche, eine Heilung zu erreichen. Die Lebenserwartung ist in jedem Alter erheblich eingeschränkt.