Abb. 1
Only for registered users
Abb. 2
Only for registered users

| IMC Wiki | Auditorisches System, Pathologie

Auditorisches System, Pathologie

  • Start
  • Suche
  • von A bis Z
  • Kategorien

<< zurück



#pic#
Das Röhrensystem des Ohres mit Anschluss an die Außenwelt ist die besondere Schwachstelle für entzündliche Erkrankungen. Sie liegen an der Spitze der Häufigkeit. Im Bereich des äußeren Ohres spielen sich die meisten Verletzungen und alle üblichen Erkrankungen der Haut (vgl. Körperhüllen und Höhlen) ab. Mittelohr und Innenohr sind Orte toxischer, infektiöser und genetisch bedingter neurologischer und degenerativer Erkrankungen.

Symptome und Diagnostik bei Erkrankungen und Verletzungen des auditorischen Systems

Leitsymptome sind äußere Formveränderungen, Schmerzen (Otalgie), Missempfindungen, Ohrenlaufen (Otorrhoe), Schwerhörigkeit, Tinnitus (hohe, tiefe, ein oder beidseitige, wechselnden unerträgliche Geräusche), Schwindel, Nystagmus (reflektorische Augenbewegungen), Zeichen der Infektion (äußerlich, jenseits des Trommelfells, lokal begrenzt, organüberschreitend, Sepsis).

Diagnostik:
- äußere Inspektion, Otoskopie, Ohrmikroskopie, Prüfung der Tubenfunktion (Pressversuch bei geschlossenem Mund und Nase)
- Hörprüfung: Audiometrie (akustische Signale, Lautstärke, Stimmgabelprüfung), Schwellenbestimmung, Frequenzanalyse, Sprachaudiometrie (Wiederholung vorgesprochener Wörter und Zahlen), Impedanzprüfung (objektive apparative Funktionsprüfung), Registrierung der Nervenleitung, Gleichgewichtsprüfung, thrermische Erregbarkeitsprüfung z. B. mit thermischen Reizen im Gehörgang), Prüfung des N. facialis
Zu den üblichen bildgebenden Verfahren gehören konventionelle Röntgenaufnahmen (Skelett des Hörorgans und der benachbarten Knochen, z. B. Mastoid), Computertomographie, Kernspintomographie, Angiographie. Bei einem Verdacht auf eine zentrale Störung finden alle oben genannten retrocochleären Untersuchungen Anwendung.

Klinik und Therapie der häufigsten Läsionen

  Lokalisation und Klinik Therapie
Zelluläre Läsionen    
Virusinfektionen Herpes zoster, entlang VII. und VIII. Hirnnerv
- Schmerzen, Bläschen, Fazialisparese, akut Schwerhörigkeit, Mumps, Grippe, Masern
Acyclovir, symptomatisch Schmerztherapie
Tumoren alle Hauttumoren (vgl. Haut, Tumoren), Paragangliome des Mittelohres, Akustikusneurinom chirurgische Exzision, chirurgische Entfernung
Degenerative Erkrankungen Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis), zentrale Hörstörungen Hörtraining, Lippenlesen, physikalische Geräte (Verstärker)
Metabolische Läsionen Otosklerose des Steigbügels am Foramen ovale, Otosklerose, Verknöcherung der Hörknöchelchen, Mineralstoffwechselstörung, Tinnitus, toxisch bedingte Stoffwechselstörungen des Innenohrs:
Medikamente (z. B. Refobacin) Diuretika, Zytostatika, Virus- und Bakterientoxine
Chirurgische Behandlung der Knöchelchen (auch prothetisch) Korrektur des Stoffwechsels, Steigbügelprothese bei Otosklerose, symptomatische Behandlung des Tinnitus, Versorgung der Innenohrschäden mit Hörgerät, evtl. Cochlea-Implantat, z. B. nach Meningitis

  Klinik Therapie
Gewebeläsionen    
Infektionen Erysipel der Ohrmuschel, Perichondritis, Otitis externa Penicillin, Kortison, Antibiotika regional
Mittelohrentzündung akut Abschwellung der Tube, Nasentropfen, Antibiotika, eventuell Parazentese (Trommelfellinzision)
Chronisch bei Belüftungsstörung des Mastoids, Sekretion aus dem Ohr, Trommelfellperforation gezielte Antibiose, dann später Tympanoplastik
Cholesteaton - Entzündung mit Zerstörung der Gehörknöchelchen Chirurgische Entfernung des Granulationsgewebes, Antibiose, Tympanoplastik
Metastatische Infektion, epidural, Meningitis, Hirnabszess, Sinusthrombose
Innenohrschaden nach Mittelohrinfektionen
äußeres Ohr
Sanierung des Infektionsherdes im Ohr, gezielte Antibiose, Drainage von Abszessen, Antibiotika, chirurgische Entfernung
Tumoren Glomustumoren, Akustikusneurinom Chirurgische Therapie
Traumen Innenohrtraumen: Knall-, Lärm-, Explosionstrauma, Commotio, Contusio cerebri sofort Infusionstherapie
Trommelfellperforation, Barotrauma Tympanoplastik
Schädelbasisfrakturen (vgl. Schädel, Frakturen) Chirurgische Korrektur oder konservativ, Tympanoplastik

  Klinik Therapie
Immunläsionen Der Hörsturz (akute Schwerhörigkeit) kann u. a. auf Autoimmunreaktionen beruhen. Infusionstherapie zur Gefäßerweiterung, s. u., Immunsuppressiva
Kybernetische Läsionen Innenohr (erworben oder genetisch angelegt), frühkindlich, pränatal: Schwerhörigkeit - Zustand nach Rötelninfektion, Toxoplasmose, Zytomegalie; postnatal: Meningoenzephalitis, Parotitis, Masern, Otitis media Die Therapie ist meistens erfolglos - kleine Korrekturoperationen(?)
Hörgerät, Cochleaimplantat
Indikationen für Hörgeräte Verlust des sozialen Gehörs (verständlich machen), wenn andere Therapien ausgeschöpft sind Prinzip: elektronische Schallverstärkung: hinter Ohr, Hörbrille, Im-Ohr-Geräte
Kybernetische Läsionen    
Fehlbildungen multiple Missbildungen der Ohrmuschel, abstehende Ohren, Missbildungen im Mittelohr (Gehörknöchelchen) Kosmetische Korrekturen
Tympanoplastik
Vegetative und endokrine Fehlsteuerungen Morbus Menière, Störung der Volumina- und Verteilung von Endo- und Perilymphe: anfallsartig, Schwindel, Schwerhörigkeit, Tinnitus, Akutauslöser: Lymphdruck Im Anfall: Antiemetika, Infusionen, Betahistidin, Vasomotal - auch zur Prophylaxe), verschiedene chirurgische Verfahren zur Druckentlastung, z. B. Fensterung
Neuropathien Zahlreiche Ausfallszeichen  
Transportstörungen Zerumen, Fremdkörper, Gehörgang Entfernung
Morbus Menière s. o.  
Hörsturz - Mirkozirkulationsstörung, Tinnitus, Spasmen, Arteriosklerose Infusionstherapie zur Gefäßerweiterung und Verbesserung der Fließeigenschaften:
Dextran 40, Pentocifyllin, Vitamin-B-Komplex

Zusammenfassung

#pic#
Die Achillesferse des auditorischen Systems ist die Ohrtrompete. Sie verbindet die Außenwelt, den mit Keimen besiedelten Nasen-Rachenraum, mit dem Mittelohr (Paukenhöhle). Von hier aus verbreiten sich abszedierende Infektionen, häufig schon im Kindesalter, über das gesamte System. Die Komplikationen der akuten und chronischen Mittelohrentzündungen sind u. a. Trommelfellperforationen, Gehörknöchelchendestruktion, Infektionsausbreitung in die Schädelhöhle, Hirn- und Hirnhautentzündung, Fazialislähmung, Labyrinthitis mit Taubheit und Schwindel sowie Thrombophlebitis des Hirnsinus, Sepsis und Abszess. Die wichtigsten Tumoren sind Paragangliome des Mittelohres und das Akustikusneurinom. Beide werden chirurgisch entfernt. Der Morbus Menière, bedingt durch einen Hydrops des endolymphatischen Systems (Erweiterung des D. chochlearis), ist vermutlich die Folge funktioneller Durchblutungsstörungen (anfallsartige Gefäßspasmen) oder Membrandefekte.