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| IMC Wiki | Abdominalverletzungen

Abdominalverletzungen

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Inhaltsverzeichnis:



    Definition und Einteilung: #pic#
    Das traumatisch bedingte akute Abdomen ist definiert durch eine Gewalteinwirkung auf die Bauchwand mit Verletzungsfolgen an den Bauchorganen. Man unterscheidet das stumpfe Trauma ohne Durchtrennung der Bauchdecke (z. B. Steuerrad bei Auffahrunfällen) von perforierenden Verletzungen (z. B. Messerstich). Je nach Lokalisation können sämtliche Organe der Bauchhöhle betroffen sein. Stumpfe Bauchtraumen sind häufig vergesellschaftet mit anderen Verletzungen, z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Thoraxtrauma, Frakturen (s. Polytrauma).

    Ätiologie und Pathophysiologie:
    Ätiologisch stehen Dezellerationstraumen, d. h. Traumen durch plötzliche Unterbrechung einer schnellen Bewegung, an der Spitze der Häufigkeit (Auffahrunfälle, Sturz aus großer Höhe). Stumpfe Traumen sind sehr viel häufiger als perforierende Verletzungen. Letztere sind die Folgen lokalisierter Gewalteinwirkungen mit spitzen Gegenständen (Messerstich) oder Materialien, die mit hoher Geschwindigkeit auftreffen (Schussverletzungen). Je nach Lokalisation werden ein oder mehrere Organe verletzt. Es resultieren Blutungen, Peritonitis, Ileus, Zirkulationsstörungen mit typischen patholphysiologischen Abläufen.

    Folgen des Bauchtraumas
    Ruptur parenchymatöser Organe (Milz, Leber) Blutung
    Ruptur von Hohlorganen (Gallenblase, Harnblase) Peritonitis, gallige, urinöse Infektion
    Leberkontusion, Nekrosen und Abszesse Bilhämie (Galle in der Blutbahn), Hämobilie (Blutung in die Gallewege
    und von dort in den Magen-Darm-Trakt), bronchobiliäre Fistel
    Ruptur größerer Gefäße massive Blutung extra-/intraperitoneal
    extraperitoneale Verletzungen (Nieren, Pankreas, Duodenum) schleichende Entwicklung des akuten Bauches
    Zwerchfellruptur(vorwiegend links) Magen-, Kolon-, Milzverlagerung in den Thorax

    Diagnostik beim Bauchtrauma:
    Die Anamnese ist unproblematisch. Es lohnt sich jedoch stets, herauszufinden, wie schwerwiegend das Trauma war, z. B. Geschwindigkeit beim Aufprall, Sturz aus welcher Höhe, Überrolltrauma durch Traktor, Entfernung bei Schrotschussverletzungen. Die klinische Untersuchung geht aus von der Beurteilung des Gesamtzustandes. Folgende Fragen sollten in kurzer Zeit beantwortet werden:
    • isoliertes Trauma oder Mehrfachverletzung?
    • lebensbedrohlicher Zustand oder unauffällige Vitalfunktionen?
    • Kreislauf und Atmung stabil oder pathologisch?
    Es folgt die Inspektion des grundsätzlich komplett entkleideten Patienten, beginnend mit der Suche nach äußeren Verletzungsmarken (Hämatome, Hautabschürfungen). Durch die Palpation gelingt häufig eine Lokalisation und Zuordnung zu den 5 Regionen des Bauches. Dabei ist zu beachten, dass bei perforierenden Verletzungen die inneren Zerstörungen durchaus nicht immer unterhalb der Eintrittswunde liegen. Durch Perkussion lassen sich freie Blutungen in die Bauchhöhle nachweisen (Flankendämpfung). Die Auskultation gibt meistens wenig her. Die rektal-digitale Untersuchung und Betrachtung des Harns sind obligatorisch. Wichtig ist auch, geringfügige Palpationsschmerzen zu registrieren. Die Schmerzintensität geht insbesondere bei retroperitonealen Verletzungen nicht parallel zur Gefährlichkeit der Läsionen (z. B. retroperitoneale Ruptur des Duodenums und des Pankreas).
    Die klinische Diagnostik ist insbesondere bei polytraumatisierten Patienten oft außerordentlich erschwert (z. B. bei Bewusstlosen). Dann sind engmaschige Kontrolluntersuchungen durch den gleichen Arzt auch während der weiteren diagnostischen Maßnahmen und während der operativen Behandlung, z. B. einer intrakraniellen Blutung, unerlässlich.
    Diagnostische Hilfsmittel: Der Umfang bei der Anwendung diagnostischer Hilfsmittel hängt ab von der Dringlichkeit der Operation. Wegen der Vielfalt der möglichen Verletzungsfolgen finden nahezu alle Untersuchungsmethoden Anwendung. Zu bevorzugen sind bei sichtlich schlechtem Allgemeinzustand die zeitsparenden Methoden, z. B. die Sonographie, und der Verzicht auf langwierige Verfahren, z. B. die Computertomographie.

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    Schuss- und Stichverletzungen sind im Gegensatz zum stumpfen Bauchtrauma fast immer perforierend, d. h. die Bauchdecke wird eröffnet.

    Geht es dem Patienten gut, sind dennoch engmaschige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Insbesondere jugendliche, sportlich trainierte Menschen können schwerwiegende Verletzungsfolgen, z. B. Blutungen, längere Zeit kompensieren.

    Therapie: #pic#
    Je nach Lokalisation und Umfang der Traumafolgen umfasst die chirurgische Therapie die Blutstillung, Resektion von Darmabschnitten, Entfernung oder Teilresektion von parenchymatösen Organen, Rekonstruktion der Bauchwand und des Zwerchfelles.
    Bei perforierenden Bauchtraumen werden eingedrungene Fremdkörper entfernt, die verletzten Bauchorgane versorgt und die Bauchwand rekonstruiert.
    Pfählungsverletzungen zwingen häufig zu vorübergehender Funktionsausschaltung des Kontinenzorgans und der ableitenden Harnwege, z. B. durch Kolostomie und Katheterableitung des Harns.
    Beckentraumen gehen vielfach mit chirurgisch unstillbaren Blutungen im Bereich der sakralen Venen einher. In diesem Fall ist man gezwungen, diese Region mit Bauchtüchern zu tamponieren, welche dann 24-48 Stunden später durch Relaparotomie entfernt werden.
    Als Zugang zur Bauchhöhle wählt man den Mittelschnitt, von dem aus nach oben oder unten verlängert jede Bauchoperation möglich ist. Grundsätzlich wird auch das Retroperitoneum revidiert. In die Verletzungsregionen werden Drainagen gelegt. Für die perioperative Therapie und Erhaltung der Vitalfunktionen gelten die Grundsätze der Behandlung Polytraumatisierter (vgl. Polytrauma).
    Die richtige Einschätzung der Konkurrenz von Dringlichkeit der operativen Versorgung und Operationsvorbereitung ist für das Überleben nach schwerem Bauchtrauma von ausschlaggebender Bedeutung.