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| IMC Wiki | Akuter Bauch

Akuter Bauch

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Das Syndrom akuter Bauch

Analog dem "akuten Schädel" und dem "akuten Thorax" ist der akute Bauch ein Zustand, bei welchem die in der Höhle befindlichen Organe ganz akut eine lebensbedrohliche Funktionsstörung entwickeln.

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Man sieht es dem Kranken an, dass es ihm schlecht geht. Er hat Angst, er weiß meistens nicht, was mit ihm geschieht. Die subjektiven Beschwerden, vor allem Schmerzen, können fast völlig fehlen, z. B. bei der spontanen Blutung als Ursache des akuten Bauches, bis hin zu unerträglichen maximalen Schmerzen, z. B. bei akuten Durchblutungsstörungen des Darmes, etwa durch Embolie verursacht. Der Patient ist meistens kaltschweißig, hat eine hohe Pulsfrequenz, kann nicht stehen, aber auch nicht liegen. Er ist unruhig und verlangt nach Hilfe, heute fast immer der Wunsch nach dem schnellen Transport in ein Krankenhaus.

Ursachen und Leitsymptome des akuten Bauches

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Der akute Bauch kann durch Verletzungen und Erkrankungen ausgelöst werden. Die Symptomatik gleicht sich meistens ungeachtet der Ursache, außer den Schmerzen. Akute Lebensbedrohung entsteht vor allem durch massive Volumenverlagerunen, die ein Schockgeschehen auslösen und die sekundär aus Keimen des Darminhaltes sich entwickelde Infektion. Sofortige fachkundige Hilfe führt in den meisten Fällen zur Gesundung. Verzögerung der Therapie durch Zuwarten, Beobachten, zeitraubende Überdiagnostik kosten den Patienten das Leben.

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Der akute Bauch kann die gesamte Bauchhöhle betreffen, z. B. bei diffuser Bauchfellentzündung oder lokalisiert, im Bereich eines Organbezirkes, z. B. der Gallenblase (rechts oben) in Erscheinung treten. Dann findet sich eine Region mit konzentrierter klinischer Symptomatik und von hier ausgehende Funktionsstörungen des übrigen Abdomens, z. B. die "akute Galle". Der akute Bauch kann primär, häufiger nach lokalisiertem Initialstadium, generalisiert auftreten. Dann ist der Ausgangspunkt der Erkrankung oder Verletzung klinisch nicht mehr sicher feststellbar, z. B. bei diffuser Peritonitis nach Kolonperforation (Dickdarmdurchbruch). Das Syndrom akuter Bauch kann sich im Laufe von Tagen, Stunden oder Minuten entwickeln. Lokalisationen mit verstärkter Symptomatik, z. B. der Schmerz, lassen sich nur durch die klinischen Untersuchung ermitteln. Auf die Ätiologie (Ursache) des akuten Bauches kann häufig aus der Anamnese geschlossen werden, lange bevor apparative Untersuchungen die exakte Diagnose bringen. Der pathogenetische Ablauf ist die logische Konsequenz aus dem ätiologischen Faktor.

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Zelluläre Läsionen sind sekundäre, metabolische Ursachen gehen oft jahrelang dem akuten Ereignis voraus. Traumatische Gewebeläsionen führen zu Blutungen oder Gewebenekrosen mit Perforationen der Darmwand, Austritt der Ingesta, Infektion, Peritonitis. Immunologisch bedingte massivste Entzündungsreaktionen bei der von einer Peritonitis ausgehenden Infektion oder nach einem Trauma, Schock oder Anwendung von Arterenol, z. B. nach Herzoperationen, führen zur metastatischen Entzündung des Dickdarmes, dem toxischen Megakolon mit hoher Letalität. Transportstörungen betreffen die Durchblutung oder Darmpassage. Kybernetische Läsionen, Darmblähungen aus extraperitonealer Ursache (der akute Bauch, der keiner ist) werden pulmonal (Pneumonie) oder extraperitoneal, z. B. Nierensteinkolik, verursacht. Unter den klinischen Gesichtspunkten kann der akute Bauch auch so unterteilt werden:
  1. akuter Bauch aus chronischer Erkrankung, z. B. akute Pankreatitis bei chronischer Cholezystitis und Cholelithiasis
  2. akuter Bauch nach Trauma, minutendauernde Entwicklung, z. B. massive Blutung, stundenwährende Entwicklung, z. B. Kolonperforation
  3. schlagartiges Auftreten aus heiterem Himmel, z. B. Mesenterialarterienembolie bei chronischer Mitralstenose, Vorhofflimmern, Vorhofthrombose
  4. schleichende Entwicklung, versteckt unter der Symptomatik einer übergeordneten Erkrankung, z. B. Zustand nach Herzoperation, Herzinsuffizienz, Katecholaminsubstitution, Kreislaufpumpe, Beatmung: akutes toxisches Megakolon infolge einer Minderperfusion, Nekrose, Perforation, diffuse Peritonitis
  5. akuter Bauch nach initialen Beschwerden und beschwerdefreiem Intervall, z. B. zweizeitige Milzruptur
  6. der akute Bauch, der nicht fassbar ist, nicht charakteristisch, ohne wirkliche Störungen der Bauchorgange auf längere Zeit; der akute Bauch aus extraperitonealer Ursache, der akute Bauch, der keiner ist: reflektorische Funktionsstörungen des Darmes, insbesondere der Transportfunktion

Maßnahmen der ersten Hilfe bei akutem Bauch

Der Patient, die Angehörigen, der Hausarzt, der Rettungssanitäter können Leben retten, wenn sie den akuten Bauch sehr ernst nehmen und eingreifen, wenn der eingangs bezeichnete Zustand eingetreten ist. Man darf keine Zeit verstreichen lassen, deshalb sind Hausarzt, Rettungssanitäter oder Notarzt gehalten, sofort etwas zu tun:
  1. Der akute Bauch braucht Volumen: Infusionstherapie, notfalls einfach Ringer-Laktat.
  2. Der akute Bauch neigt zum Erbrechen: Magensonde - ableiten.
  3. Der akute Bauch macht Schmerzen, aber: starke Schmerzmittel sind verboten.
  4. Der akute Bauch macht Angst: milde Sedativa i.v. oder i.m.
  5. Der akute Bauch bevorzugt eine individuelle Lagerung: nicht auf die Trage schnallen sondern nach Wunsch lagern, z. B. auch halb aufgerichtet, die Beine angezogen.
  6. Der akute Bauch neigt zu Schock und Ateminsuffizienz: Fortlaufende Messung des Blutdruckes, der Pulsfrequenz und Beobachtung der Atmung. Meistens fehlt Volumen, selten ist er hyperhydriert. Fast niemals schadet die Zufuhr von: Ringer-Laktat, Plasmaexpander, Albumin.
  7. Ältere Menschen müssen rechtzeitig intubiert werden.
  8. In Ausnahmefällen ist vor Ort eine Notfall-Laparotomie gerechtfertigt, z. B. bei offenbar massiver Blutung, weiter Anfahrt, Transfusion nicht möglich. Ziel: Tamponade, auch mit der Faust (z. B. bei Ruptur eines Aortenaneurysmas). Dies wird erreicht, wenn man die Bauchaorta unmittelbar unterhalb ihres Eintrittes in den Bauchraum komprimiert.

Häufige Ursachen des akuten Abdomens

Beim lokalisierten akuten Bauch lassen sich in Bezug auf die anatomische Lage der Organe "Verdachtsdiagnosen" betreffend die Organzugehörigkeit stellen.

Lokalisation Erkrankung oder Verletzung
rechter Oberbauch penetrierendes Duodenalulkus - akute Infektionen der Gallenwege, auch mit Perforation -
Pyelitis - Abszesse - Leberverletzungen - Pfortaderthrombose
linker Oberbauch Abszesse - Milzruptur oder –infarkt - Pyelitis – Nierenstein
mittleres Abdomen akute Pankreatitis- inkarzerierte Hiatushernie - Enteritis regionalis - Mesenterialinfarkt
(-thrombose) - rupturiertes Aortenaneurysma
rechter Unterbauch Appendizitis - Adnexitis - inkarzerierte Hernie - Ureterstein - stielgedrehte Ovarialzyste
- Ileus nach Appendektomie
linker Unterbauch Sigmadivertikulitis (insbesondere bei Perforation ) - inkarzerierte Hernie - stielgedrehte Ovarialzyste - Adnexitis

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Solche Verdachtsdiagnosen werden noch erhärtet durch Schmerzen in den Head‘schen Zonen (Zonen der Körperoberfläche mit nervaler Verbindung zu Organen). Typisch sind z. B. Schmerzen im Bereich des rechten Schulterblattes bei Gallenblasenläsionen.
Bei nicht lokalisierten Formen ist die Verdachtsdiagnose nur durch sekundäre Erscheinungen, z. B. Blutungen durch Schocksymptomatik zu stellen. Hier sind sofortige apparative Untersuchungen angezeigt.