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Atemregulationsstörungen, zentral

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Inhaltsverzeichnis:



Zentrale Atemregulationsstörungen können Ursache der Hypo- und Hyperventilation sein (s. o.). Sie unterscheiden sich pathophysiologisch von den neuromuskulären und thorakalen und den pathophysiologischen und klinischen Erscheinungsbildern und stellen vielfach schwierige Probleme dar, weshalb hier einige Details aufgeführt werden.

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Zentrale Atemregulationsstörungen sind kybernetische Fehlleistungen, wobei die Regelgröße pCO2, pO2 oder pH bei intakten Atmungsorganen auf ein pathologisches Niveau verschoben sind. Dann findet bei normalen pCO2-, pO2- und pH-Werten eine Hyper- oder Hypoventilation statt, oder anders formuliert setzt Normoventilation erhöhte oder verminderte pCO2-, pO2- oder pH-Werte voraus. Ursache ist eine primäre oder sekundäre Fehlfunktion der zentralen Atemregulation. Die pathologisch-anatomische Grundlage für zentralnervöse Störungen sind vaskuläre, traumatische oder hypoxische Zellschäden. Typische Erscheinungsbilder sind Rhythmusstörungen, Hyper- und Hypoventilation, mit länger anhaltender Apnoe (> 10 s). Ein klassisches Beispiel ist das Pickwick-Syndrom, eine sekundäre Störung bei extremer Adipositas.

Das Pickwickier-Syndrom

Definition:
Extreme Adipositas mit mechanischer Einschränkung des thorakalen Volumens und Atmung kleiner Volumina im unteren Ausatmungsbereich der Lunge, wodurch Teile der Lunge überhaupt nicht oder fast nicht belüftet, die alveolär-arterielle PO2-Differenz vergrößert wird. Die Mehrzahl der adipösen Menschen kann mit Hilfe zentraler Regulationen den physiologischen PaCO2 halten. Ein Teil, zu welchen der Kutscher des Herrn Pickwick (Roman von Charles Dickens) gehört, entwickeln eine chronische Hyperkapnie, Hypoxämie, Polyzythämie, pulmonale Hypertension. Die Folgen der Hypoxämie, Schläfrigkeit, Apnoe, Hyperpnoe, Aufwachen, Appetit verspüren, Essen, Schlafen, Hypoventilation, Apnoe, Hyperventilation usw. konkurrieren also mit dem unstillbaren Appetit dieser Patienten.

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Beispiel einer sekundären zentralen Atemregulationsstörung. Der Genuss von Nikotin kann durch Lungenparenchymschäden den Verlauf bedeutend beschleunigen. Fasten und Rauchverbot sind die effektivsten therapeutischen Methoden.

Symptome der primär zentralen Regulationsstörungen:
Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Einschränkung der Leistungsfähigkeit, depressive Verstimmung, Schnarchen, Hypoxämie, Hypoventilationsstörungen, Zyanose, Venenfüllung, Rechtsherzbelastung, Rechtsherzhypertrophie.

Bei den sekundären Störungen liegt zusätzlich vor: Adipositas - Pickwick-Syndrom, Leberinsuffizienz, Undine-Syndrom (periodische Apnoe, Zyanose und Somnolenz bei Neoplasmen).

Diagnose:
klinischer Befund und Anamnese, Provokationstest
Blutgase: (Hyper-Hypoxämie)
(Hyper-Hypokapnie)
Lungenfunktion: Bei Adipositas restriktive Ventilationsstörung
Polysomnographie: Schlaf-EEG, Blutgase fortlaufend, Ventilation, Thoraxbewegung

Therapie:
Primäre Atemregulationsstörungen sind unheilbar.
Sekundärer Typ: Gewichtsreduktion
Hypoventilation: Behandlung obstruktiver Ventilationsstörungen
Atemhilfen (nächtlich CPAP)
Hyperventilation: Rückatmung
psychiatrische Behandlung

Für chirurgische Patienten bedeuten Störungen der Atemregulation eine Einschränkung der Operabilität. Langzeitbeatmungen sind kontraindiziert, da die Entwöhnung außerordentlich problematisch ist. Die häufigsten Störungen der Atemregulation finden sich bei älteren Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen. Sie haben eine durch chronische Hypoxie und Hyperkapnie anerzogene Erhöhung der Regelgröße. Postoperativ kommt es darauf an, den Patienten nach der Luxusbeatmung mit hohen O2-Gasdrucken wieder auf den respiratorischen Alltag zurückzuführen.