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Hypertonie

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Arterielle Hypertonie

Pathologische Anatomie:
Drei grundsätzlich verschiedene Fehler der Kybernetik sind Ursache der Hypertonie:
  1. pathologischer Gefäßwiderstand (Widerstandshochdruck)
  2. pathologisch gesteigertes Herzzeitvolumen (Volumenhochdruck)
  3. verminderte Gefäßelastizität (Elastizitätshochdruck)
Die Hypertonie wird klassifiziert in:
grenzwertig: 160/95-140/90 mmHg
leicht: diastolisch 90-114 mmHg
schwer: diastolisch 115-129 mmHg
maligne: diastolisch >130 mmHg

Essentielle Hypertonie

Über zwei Drittel aller Hypertoniker leiden unter einem essentiellen Hypertonus, einer dauerhaften Blutdruckerhöhung, deren Ursachen nicht handfeste morphologisch fassbare Erkrankungen, sondern vielmehr unphysiologische Lebensgewohnheiten sind.

Exogene Faktoren: Überernährung, fett- und kochsalzreich - Übergewicht - körperliche Inaktivität - abnehmende Muskel-Fettrelation - Nikotin - Alkoholkonsum - emotionale Überlastung

Die Prinzipien der Therapie zielen auf die Normalisierung der Lebensumstände:
  • fett- und kochsalzarme Ernährung,
  • Reduktion des Körpergewichtes auf Normgewicht minus 10 %
  • kontinuierliches leichtes körperliches Training aller Muskelgruppen (wandern, radfahren, schwimmen, Tischtennis usw.)
  • völliger Nikotinentzug
  • Alkoholkonsum unter 50 g/Tag (maximal 1 l Bier oder 2/4 Wein oder 5 Gläschen = 100 ml unter 50 %iger Alkoholika - niemals auf nüchternen Magen)
  • Wechsel des emotionalen Umfeldes
Daneben beobachten wir essentielle Hypertonien mit folgenden Charakteristika:
  • genetische Faktoren (erhöhte Regelgrößen, Überaktivität des vegetativen sympathischen Nervensystems)
  • defiziente Natriurese (Defekt der zellulären Transportsysteme)
  • endokrine Regelstörungen (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System)
  • Stressfaktoren (emotionale Überlastung, Noradrenalinüberschuss)
  • Die prinzipielle Therapie besteht in der medikamentösen Korrektur der Fehlsteuerungen.

Kardiovaskuläre Hypertonie

Physiologie:
Blut versorgt die Zellen des Körpers mit lebensnotwendigen Stoffen und entsorgt diese von den Endprodukten des Stoffwechsels. Blut enthält Botenstoffe, z. B. Hormone, Schutzstoffe, z. B. der immunologischen Abwehr, es transportiert die Wärmeenergie.
Die Unterhaltung eines geordneten Blutdruckes, der Verteilungsenergie, wird gewährleistet durch:
  • das Herz, dem Motor des Kreislaufs
  • die Blutgefäße, das Röhrensystem der Verteilung
  • den Blutdruck, der Verteilungsenergie
  • den Stoffaustausch an den Aufnahme- und Ausscheidungsorganen, z. B. Lunge und Niere sowie die Stofftransporte an den Membranen der Gefäßendverzweigungen, des interstitiellen Raumes und der Zellmembranen.
Zentral neurovegetative, endokrine und peripher autoregulatorische Systeme stimmen den Bedarf und natürliche Schwankungen desselben minutiös unter Erhaltung physiologischer Regelgrößen ab.

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Der kardiovaskulären Hypertonie liegen Erkrankungen des Herzens und/oder der Gefäße zugrunde, vorwiegend mechanische Behinderungen der Blutpassage des Herzens (Schlagvolumenhochdruck) oder Elastizitätsverluste der zentralen Arterien (Elastizitätshochdruck).

Pathogenese der kardiovaskulären Hypertonien (nach U. N. Riede)
Krankheit Pathogenese Hochdruck
Aortenisthmusstenose Windkesselfunktion ↓
Herzzeitvolumen ­↑
arterieller Hochdruck im
prästenotischen Bereich
Atherosklerose der
großen Gefäße
Windkesselfunktion ↓ Elastizitätshochdruck
Aorteninsuffizienz diastolischer Reflux ↑
­Schlagvolumen ­↑
arteriovenöse Fisteln Shuntvolumen ­↑ Schlagvolumenhochdruck
offener Ductus Botalli
totaler AV-Block systolisches Zeitvolumen ­↑
Herzinsuffizienz sekundärer
Hyperaldosteronismus
z. T.
Widerstandshochdruck

Klinik:
Symptomatik der Hypertonie, der Arteriosklerose oder des arteriovenösen Kurzschlusses mit erhöhtem Herzzeitvolumen

Therapie:
chirurgische Behandlung des Herzfehlers, der Aortenstenose, der arteriellen Verschlüsse und A-V-Fisteln; Herzschrittmachertherapie

Renale Hypertonie

Die renale Hypertonie ist die Folge von Erkrankungen des Nierenparenchyms mit Schrumpfung (renoparenchymatöse Hypertonie) oder stenosierenden extra- oder/und intrarenalen Arterienerkrankungen (renovaskuläre Hypertonie).

Physiologie:
Die Niere ist Bestandteil des mittel- und langfristigen Regulationsmechanismus des Blutdrucks: Adiuretin (Vasokonstriktion) und Aldosteron (Natrium- und Wasserrückresorption) sind der renalen Volumenregulation zugeordnet (vgl. Die Funktion der Harnkanälchen und Renovaskuläre Hypertonie).

Renale Regulationsmechanismen des Blutdruckes
Renin-Angiotensin-System renales Volumenregulationssystem
Reaktionszeit: Minuten bis Stunden
Blutdruckabfall
Renin
Stunden bis Tage
Blutdruck
Wasser- u. Elektrolytausscheidung
Blutvolumen
mittlerer Füllungsdruck
venöser Rückstrom
Herzzeitvolumen
Blutdruck
Angiotensinogen → Angiotensin I
Converting
System der Lunge
Angiotensin II Wasser und
Elektrolytausscheidung usw.
← Angiotensinase
(Begrenzung)
Vasokonstriktion
Blutdruckanstieg

Klinik:
Symptomatik der Hypertonie, der Hypervolämie, Mikrozirkulationsstörung durch Ödeme

Diagnose aus Anamnese und klinischem Befund, Kreislaufgrößen (arterieller und venöser Druck), Nierenfunktionsproben, Plasma-Reninspiegel, Dopplersonographie, Angiographie, Computer- und Kernspintomographie

Pathophysiologie:
  1. Areriosklerose oder Arterienstenose durch Thromben (nicht Nierenarterienverschluss!) oder fibromuskuläre Dysplasie, Medianekrose der Aorta und A. renalis, Nierenarterienkompression - Einengung des Lumens der A. renalis > 70 % - Reninausschüttung, Vasokonstriktion - Natrium- und Wasserresorptionssteigerung - Blutdruck- und Volumenanstieg
  2. Nierenparenchymschaden beiderseits, Nierenschrumpfung, Arteriolosklerose, Pyelonephritis, Glomerulonephritis, Hydronephrose - Nierengewebeischämie - Wasser- und Natriumretention - Hypervolämie - Volumenhochdruck
Therapie: #pic#
konservative medikamentöse Therapie, chirurgische Therapie arterieller Durchblutungsstörungen, Katheterdilatation, Dialysetherapie und Nierentransplantation im Endstadium

Hypertonie bei endokrinen Erkrankungen

Organische Erkrankungen des vegetativen Nervensystems sind seltene Ursachen der Hypertonie. Bekannt sind Erkrankungen des Karotissinus (Barorezeptorfunktionsstörung) und traumatische Läsionen im Stammhirnbereich. Es entsteht ein Entzügelungshypertonus.

Krankheit Pathogenese der Hypertonie Hämodynamische Hochdruckform
Phäochromozytom (=Nebennierenmarktumor) Adrenalin und/oder Noradrenalin ↑
Vasokonstriktion
Widerstandshochdruck
(Blutdruckkrisen)
Cushing-Syndrom (= Hyperhortizismus) Glucocorticosteroide ↑
Mineralcorticosteroide ↑
Hypervolämie
Volumenhochdruck
Conn-Syndrom (= NNR-Tumor/Hyperplasie,
primärer Hyperaldosteronismus)
Aldosteron ↑
Natrium-, Wasserretension
Hypokaliämie
Volumenhochdruck
Liddle-Syndrom (= kongenitale Funktionsstörung des
distalen Tubulus)
Natrium-Retension
Kaliurese
Volumenhochdruck
adrenogenitales Syndrom
kongenitale C11- und C 17-Hydroxylase-Defekte
Hypocortisolämie
C 11-Desoxyhydrocortison ↑
ACTH-Produktion ↑
Natrium-, Wasserretention
Volumenhochdruck
Hyperthyreose Hyperthyroxinämie
Adrenalinabbauhemmung
Herzzeitvolumen ↑
Volumenhochdruck
(hyperkinetisches Herzsyndrom)
Akromegalie (HVL-Adenom) unbekannt Volumenhochdruck?
Widerstandshochdruck?
Ovulationshemmer (sehr häufig) Östrogen ↑
Angiotensinogenbildung in der Leber ↑
dadurch Angiotensin ↑
und Aldosteron ↑
Volumenhochdruck
Schwangerschaftstoxikose Sympathikotonus ↑
Prostaglandine ↓
Widerstandshochdruck
Hauptursachen kybernetischer Störungen sind Erkrankungen des endokrinen Systems

Klinik:
Das klinische Bild wird in erster Linie durch die allgemeinen Veränderungen infolge überschießender Hormonproduktion gekennzeichnet. Vielfach sind allerdings Hypertonie, Blutdruckkrisen und Herzrhythmusstörungen erste Anzeichen der Erkrankung. Bis zur definitiven Diagnose vergehen in der Regel Jahre.

Diagnose:
klinisches Bild (z. B. Cushing-Syndrom), Hormonanalysen, Tumornachweis (z. B. Phäochromozytom), Computer- und Kernspintomographie

Therapie:
Entfernung des hormonproduzierenden Gewebes

Folgeerkrankungen des Hypertonus

Jede länger bestehende schwere Hypertonie führt nahezu regelmäßig zu Sekundärerkrankungen:
  • Herzhypertrophie
  • hypertensive Vaskulopathie (Elongation der Gefäße)
  • Arteriosklerose
  • Arteriolosklerose
Das führende pathologisch anatomische Substrat und dementsprechend die funktionellen Ausfälle variieren. Einen besonderen Bezug zur Hypertonie haben die Hirnarterien, deren Verschluss (Insult) sich ganz überwiegend im Gefolge der Hypertonie ereignet.

Weiterführende Artikel

> Renale Hypertonie
> Renovaskuläre Hypertonie